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Bayern-Reporter? Aufräumen von Vorurteilen bei Brazzo, Bosz und Reuter

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Besuche bei Peter Bosz, Hasan Salihamidzic und Stefan Reuter für drei Interviews in einer SPORT BILD-Ausgabe – und jedes war komplett anders.

Als erstes treffe ich Stefan Reuter. Der Augsburg-Manager ist einer von elf Profis der Bundesliga-Geschichte, welche die 500-Spiele-Marke durchbrachen. Reuter hat 502 auf dem Konto. „Da bin ich ja gerade noch mal reingerutscht“, begrüßt mich Stefan in der Tagesbar „3M“, die zum Steigenberger Hotel Drei Mohren gehört. In der Bundesliga hat er für Nürnberg, Bayern und Dortmund gespielt. Interessanter finde ich vor allem die vielen Details, an die sich Reuter erinnert. Vor allem bei seinen Autos.

Von seinem ersten Gehalt leistete er sich einen gebrauchten „Renault 4“ mit Revolver-Schaltung für ein paar Tausend Mark. Mit jedem neuen Vertrag wurden die Autos ein wenig größer: ein VW Polo (FCN), ein 3er BMW (erneut FCN), danach einen Opel (FC Bayern). „Gab es 1988 schon Dienstwagen bei Bayern?“, frage ich aus persönlichem Interesse. „Das war damals schon eine Besonderheit und ist es auch heute noch. Aus München und von deinen Bayern kennst Du das ja nicht“, scherzt Stefan und klärt mich auf, dass selbst seine FCA-Spieler lediglich Prozente auf die Leasing-Wagen bekommen. Es ist nicht das erste und wird nicht das letzte Mal sein, dass ich bei Interviews in die „Bayern-Ecke“ gestellt werde.

Es ist schon komisch. Von den Bayern-Fans werde ich gerne als Bayern-Kritiker beschimpft, da ich oftmals den Finger in die Wunde legen muss, wenn es mal nicht läuft. Da ich seit 18 Jahren über den FC Bayern berichte, werde ich bei anderen Klubs dagegen nicht selten als „Bayern-Reporter“, wenn nicht gar als „Hofberichterstatter“, wahrgenommen. Über beides muss ich schmunzeln. Solange beides der Fall ist, fühle ich mich in meiner neutralen Reporter-Rolle bestätigt.

Passend dazu begrüßt mich BVB-Sportdirektor Michael Zorc im Trainingszentrum in Dortmund mit Handschlag und ruft meinem Terminpartner Peter Bosz scherzhaft zu: „Peter pass auf, Du weißt schon, dass da ein Bayern-Reporter extra aus München eingeflogen ist.“ Ich erwidere, dass ich die Woche zuvor beispielsweise vor den Spitzenspielen in Liga und Pokal auch bei Ralph Hasenhüttl und Ralf Rangnick in Leipzig war. Offenbar kein gutes Argument, wie mir die Blicke verraten: Leipzig hat im Anschluss zweimal gegen Bayern verloren.

Als erste Reporter überhaupt dürfen mein Kollege Sven Westerschulze und ich für das Interview ins Trainer-Zimmer. Wir sprechen natürlich über das Gipfeltreffen der Dortmunder gegen Bayern. Peter Bosz ist ein sehr höflicher Mensch. Er macht keinen Hehl daraus, wenn er die Arbeit von jemanden schätzt, selbst bei einem Gegner. So bezeichnet er seinen Landsmann Arjen Robben als „letzten Gladiator Hollands.“ Auch wenn er weiß, dass diese Wertschätzung einigen BVB-Fans nicht gefallen könnte, da Robben viele Tore geschossen hat, die Dortmund in der Vergangenheit weh taten. Bosz hat eine Idee, wie er Robben dennoch stoppen will. „Wenn ich Ihnen aber verrate wie, dann macht es Arjen am kommenden Samstag genau anders herum…“

Anschließend gehen wir für Fotos noch auf die Terrasse, von der aus man alle Trainingsplätze überblickt. Der Weg führt durch den Aufenthaltsraum der Spieler, die inzwischen schon zu Hause sind. Vorbei an einer offenen Küche, einer großen Lümmel-Couch und einem Billardtisch – gar nicht so unähnlich, wie an der Säbener Straße, denke ich. Dort saß ich schon zwei Tage zuvor. Allerdings in der Vorstandsetage.

„Hey Falcao“, begrüßt mich Hasan Salihamidzic zu seinem ersten offiziellen Interview-Termin als Sportdirektor des FC Bayern, den er meinem Kollegen Tobias Altschäffl und mir gibt. Wir nehmen im Konferenzraum Platz, in dem die Bayern-Bosse auch zu Verhandlungen die Spieler empfangen. „Ich hatte leider noch keine Zeit mein Büro einzurichten. Das wird wohl vor Dezember nix. Zu viel Arbeit…“, entschuldigt er sich.

Brazzo und ich haben fast zeitgleich unsere Laufbahnen an der Säbener Straße begonnen. Salihamidzic kam 1998 vom Hamburger SV zum FC Bayern, ich fing als Praktikant bei der Münchner „tz“ gerade mal eine Saison später an. Brazzo ist ja auch ein Jahr älter… Bei fünf seiner sechs Meisterschaften, vier Pokalsiegen und natürlich dem Triumph in der Champions League 2001 saß ich auf der Reporter-Tribüne. Auch in Turin besuchte ich ihn, als er für Juventus spielte. Zusammen mit Luca Toni gingen wir Essen und der italienische Stürmer erzählte dabei, wie sein Ex-Trainer Louis van Gaal vor der Mannschaft die Hosen runterließ, um seinem Team zu zeigen, was für große – ich zitiere – „Eier“ er habe. Stichwort Hofeberichterstatter: Beim FC Bayern gefiel mein Interview nicht jedem, van Gaal war zu dem Zeitpunkt noch im Amt …

Schon als Spieler hat Brazzo nie die großen Töne gespuckt, sprach lieber auf dem Platz. Wenn ihm etwas nicht passte, konnte er jedoch sehr deutlich werden. Auch wir beide hatten schon unsere Auseinandersetzungen. Zuletzt als ich enthüllte, dass er Botschafter beim FC Bayern werden würde, war Brazzo gelinde gesagt wenig begeistert und ließ mich das deutlich wissen. So muss es aber auch zwischen Protagonist und Reporter sein. Wenn jemanden etwas nicht passt, darf er das auch klar und deutlich mitteilen. Dafür habe ich Verständnis. Anders herum gilt genauso: Ich schreibe, was ich weiß, ohne Rücksicht darauf, ob das nun dem Klub gerade passt oder nicht.

Entscheidend dabei ist: Die Geschichte muss am Ende immer richtig sein. In dem Fall kann ich auch mit dem Vorurteil als „Bayern-Reporter“ leben. In guten wie in schlechten Zeiten – und exakt so wird auch berichtet.

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