Besuch bei Louis van Gaal in Portugal: Sehen wir ihn noch einmal in der Bundesliga?

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"Tod oder Gladiolen" – diesen Satz prägte van Gaal in seiner Amtszeit beim FC Bayern. Seither nehme ich bei unseren Terminen traditionell für seine Frau Truus davon einen Strauß mit
„Tod oder Gladiolen“ – diesen Satz prägte van Gaal in seiner Amtszeit beim FC Bayern. Seither bringe ich bei Terminen traditionell für seine Frau Truus einen Strauß mit

Der Klingelton eines Handys sagt heutzutage viel über seinen Besitzer aus. So bin ich nur im ersten Moment überrascht, als das Telefon von Louis van Gaal am Ende unseres zweistündigen Gesprächs plötzlich mir wohlvertraute Riffs abspielt, die längst Kult sind. Es ist die Gitarre von Muddy Waters. Ich muss ein wenig in mich hinein schmunzeln, als ich an die Liedzeilen von „Mannish Boy“ denke, die Waters in der ersten Strophe singt: „Meine Mutter sagte mir, ich werde der größte Mann der Welt werden!“

Ja, der Song passt zu dem Selbstverständnis von Louis van Gaal. Wie man über den selbstbewussten Coach auch denken mag: Er ist zweifelsohne einer der größten Trainer der Welt geworden. Und aus eben diesem Grund sitze ich nun drei Flugstunden von meinem Münchner Büro entfernt am Strand der portugiesischen Algarve-Küste, um ihn zu interviewen. Persönlich stelle ich mir vor allem die Frage: Meint es van Gaal mit seiner Fußball-Rente tatsächlich ernst?

 

Ein Sportreporter sollte zwei Dinge für seinen Job mitbringen: Geduld und Hartnäckigkeit. Wer mit Louis van Gaal sprechen will, braucht beides in erhöhtem Maße. Allerdings gilt bei dem Holländer ebenso: Wenn er etwas zusagt, dann hält er defintiv immer sein Wort. Man muss nur dran bleiben.

Beim Strandspaziergang setzen wir unser Gespräch nach dem Essen fort
Beim Strandspaziergang setzen wir unser Gespräch nach dem Essen fort

Zuletzt interviewt hatte ich van Gaal im Oktober 2012 als holländischen Bondscoach. Meine nächste Anfrage stellte ich van Gaal, nachdem er seinen Job bei Manchester United im Sommer 2014 angetreten hatte. Doch die Pressesprecherin von United hatte kein großes Interesse einem deutschen Medium ein Gespräch mit ihrem Headcoach zu ermöglichen, das auch den meisten Engländern vorenthalten blieb. Nach van Gaals Entlassung im Mai 2016 kontaktierte ich ihn als Privatmann, doch der Ex-Bayern-Coach verwies auf sein Sabbatjahr, indem er keine Interviews geben würde. Wenige Tage nach seinem offiziellen Vertragsende bei United am 30. Juni 2017 schrieb ich van Gaal erneut an, der aufgrund meiner Penetranz nun schon amüsiert reagierte. Tatsächlich sei er nun offiziell seit dem 1. Juli in Rente, ließ er mich wissen, aber er wolle erst seinen holländischen Landsleuten Rede und Antwort stehen. Er bitte um Verständnis. „Neues Jahr, neues Glück“, eröffnete ich meine Mail an van Gaal Anfang Januar – und nach dreieinhalb Jahren bekam ich nun endlich die Zusage. Das Datum wurde von ihm zeitnah bestätigt mit: „13.00 Uhr, Reception, Vale do Lobo Resort“

Van Gaal fährt mich ins Restaurant Sandbanks
Van Gaal fährt mich in seinem Wagen ins Restaurant „Sandbanks“

Louis van Gaal hat seinen Hauptwohnsitz in Portugal, 2008 hat er sich hier ein Grundstück gekauft. Ich kenne das Villen-Resort, da ich hier während der EM 2004 einige Spiele auf Großbild-Leinwand verfolgte. Die deutsche Mannschaft, über die ich damals berichtete, hatte ihr Quartier nur wenige Kilometer weiter nahe Faro. Nun chauffiert mich van Gaal in seinem Wagen von der Rezeption eben an diesen Restaurant-Platz des Geländes, um dort das Interview zu führen. Dabei erzählt er, dass er wie ich das Resort während jenes EM-Sommers für sich entdeckt hatte. Nun genießt er mit seiner Frau Truus an der Algarve-Küste seine Rente. Doch werden wir tatsächlich nie wieder den Trainer Louis van Gaal erleben? Zuletzt soll ja Wolfsburg an ihm interessiert gewesen sein, hake ich ein…

 

„Ich hatte bereits mehrere Angebote aus der Bundesliga, nicht nur aus Wolfsburg. Damals habe ich mich dagegen entschieden. Doch das muss nicht heißen, dass das für immer gilt. Ich brauche nur einen Klub, der für mich eine echte Herausforderung darstellt“, antwortet van Gaal, während wir in seinem Stammrestaurant „Sandbanks“ aufs Meer blicken. Van Gaal empfiehlt mir den Seebarsch. Dazu trinken wir Weiß- und nicht Rotwein, wie man es von van Gaal aus Bayern-Zeiten kennt. „Wir essen ja schließlich Fisch“, sagt van Gaal, als ich ihn an die Münchner Rotwein-Anekdoten erinnere.

Trainer Louis van Gaal Vale do Lobo, 21.12.2018, Fussball Niederlande
Interview mit Blick aufs Meer

Ein Klub, der ihn reizt, frage ich mich? Den FC Bayern hat er während des Interviews bereits kategorisch ausgeschlossen. Von Präsident Uli Hoeneß hatte er sogar dessen Einladung zum 60. Geburtstag abgelehnt. „Er hat mich eingeladen, aber ich denke nicht, dass ich dieser Einladung folgen musste, nach all dem was passiert ist“, lässt er wissen.

In der Bundesliga kommen dann tatsächlich nicht mehr viele Vereine für einen Trainer infrage, der in seiner Karriere auf jeder seiner Stationen Titel holte. „Borussia Dortmund vielleicht?“, schlage ich vor. Van Gaal überlegt kurz, wägt dann sichtlich seine Worte ab: „Eine Anfrage von Dortmund hatte ich bisher noch nicht“, setzt der Holländer an, um dann anzufügen: „Was ich zum BVB aber sagen kann: Dortmund hat in der Mannschaft alle Qualitäten, um Meister zu werden und dem FC Bayern Paroli zu bieten.“

Das klingt für mich bei einem Typen wie van Gaal nach einer ernsthaften Herausforderung…

Das Video zum Interview

Das Interview mit Louis van Gaal lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von SPORT BILD.