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Nein, Pep Guardiola wollte auch bei der Mittagspressekonferenz am Freitag seinen Abschied nicht bestätigen. Darum stelle ich ihm die Frage, ob es stimmt, dass der Klub Bescheid weiß. „Rumenigge weiß alles, wir reden oft“, sagt er. So richtig weiß niemand, ob er die Frage verstanden hat. Ich wiederhole die Frage deshalb noch mal auf Englisch. Guardiolas Augen leuchten, er hat sehr wohl verstanden und antwortet erneut: „Rummenigge weiß alles.“ Damit hat er den Nachrichtenverlauf der Woche bestätigt.

Das RTL-Nachtjournal meldete sich am Donnerstag-Nachmittag. Der Sender bat um ein Interview zu den Entwicklungen um Pep Guardiola. Sport Bild hatte am Mittwoch als erstes deutsches Medium darüber berichtet. Da die Zeit drängte, traf ich das Kamera-Team in einer italienischen Bar in der Nähe des Viktualienmarkts im Anschluss an einen Termin.

  
Eine Nachricht zu halten, ist für ein Wochenmagazin im digitalen Zeitalter nahezu unmöglich geworden. Inzwischen ist es nicht mehr nur ein Wettlauf gegen die Zeit um Tage, sondern um Stunden und Minuten. Es war kurz vor Mittag, als ich am Mittwoch erfuhr, dass Pep Guardiola dem FC Bayern bereits vor Tagen seinen Entschluss zu seiner Zukunft mitgeteilt hatte. Bis zu dem Zeitpunkt hatte der Klub noch offiziell verlauten lassen, der Trainer würde die Entscheidung erst bei einem Treffen am Sonntag nach dem Hannover-Spiel dem Vorstand kommunizieren. Nun war klar: Wenn der Verein gute Nachrichten zu verkünden hätte, wäre die Bekanntgabe bereits beim letzten Heimspiel gegen Darmstadt passend zur Lasershow erfolgt. Zumal mir gesagt wurde: Guardiola hatte dem Klub überlassen, wann dieser seinen Abschied mitteilt. Und die Bayern-Bosse wählten die ruhige Zeit nach dem Spielbetrieb. 

Das sollte auch uns Zeit geben, die Information gegenzurecherchieren und die Klubverantwortlichen damit zu konfrontieren. Doch da tickerte bereits die Meldung aus Spanien übers Internet. Auch die „Marca“ hatte von Guardiolas Abschied erfahren und es sofort rausgehauen. Da die Spanier Guardiola aber bereits vergangenen Sommer zu Manchester City verkauft hatten, war das Vertrauen in die Nachricht noch verhalten. In Kombination mit der Vorabmeldung von Sport Bild, die wir nun ebenfalls an die Agenturen gaben, nahm das Thema jedoch gehörig an Fahrt auf.

Donnerstag folgte die nächste Schlagzeile der „Marca“: Ancelotti wird neuer Bayern-Trainer! Ein Zusammenhang, der jedoch für uns nicht neu war, angesichts der jüngsten Meldungen aber gleich im Internet rauf und runter lief. Dabei hatte Sport Bild bereits im Oktober berichtet, dass der FC Bayern über Vermittler Branchini zu Ancelotti Kontakt aufgenommen hatte. Die Nachfolgeregelung im Falle eines Pep-Abgangs war längst geklärt. Dazu passte, dass Verwaltungsbeirat Edmund Stoiber in der „TZ“ am Donnerstag bestätigte, dass der Bayern-Vorstand einen Plan B habe.

  
Diese Abfolge der Ereignisse erklärte ich im RTL-Nachtjournal. Als das Kamera-Team gerade abbaute, betrat Andy Brehme das kleine italienische Lokal, in dem auch er Stammgast ist. Der Weltmeister wunderte sich über die Aufregung um Guardiola. So einmalige Arbeit habe er noch nicht abgeliefert. Carlo Ancelotti kennt Brehme noch bestens aus dessen Zeit beim AC Mailand, als er selbst mit Matthäus und Klinsmann für den Lokalrivalen Inter spielte. Ein guter Mann, lautet Brehmes Urteil. Am Freitag wird Guardiola auf der Pressekonferenz diese Einschätzung teilen: „Carlo ist ein Super-Trainer und ein Super-Mensch.“

Trainer kommen und gehen, aber der Klub bleibt.