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Davon träumte der 13-jährige Uli Hoeneß

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Es ist der Anruf, den jeder Journalist fürchtet. Ich habe gerade einmal vier Stunden geschlafen, um den 6.50-Uhr-Flieger zurück nach München für meinen Termin zu bekommen. Ein Nebenraum im ersten Stock des Restaurants „Bogenhauser Hof“ ist reserviert, die drei Leser von unserem Gewinnspiel sind eingeladen, haben sich teilweise für den Tag extra frei genommen. Doch nun sehe ich die Anzeige auf meinem Telefon: Es ist das Büro Hoeneß.
„Bitte sagen Sie nicht, dass Herr Hoeneß krank ist!“, melde ich mich direkt am Telefon. „Leider doch Herr Falk, leider doch…“, sagt die Assistentin. Sie lässt mich bewusst ein wenig zappeln, nach einem kurzen Moment erlöst sie mich mit ihrem sympathischen Lachen: „Nein, nein, keine Angst“, stellt sie richtig. Ich atme auf. „Herr Hoeneß lässt sich entschuldigen, dass er eine halbe Stunde später kommen wird. Zuvor muss er noch zum Champions-League-Dinner mit Paris Saint-Germain.“ Ich atme auf. Da der Vorstand des FC Bayern auf Reisen ist, vertritt der Präsident den Klub beim Champions-League-Essen anlässlich des Spiels der Bayern-Damen im „Käfer’s“. Eine halbe Stunde Verspätung ist gewöhnlich ein Wimpernschlag im Fußball-Geschäft, viele Spieler verspäten sich oft um Stunden – nicht aber Hoeneß. Der Mann weiß, was sich gehört. Er lässt ausrichten, dass wir bitte doch mit der Vorspeise beginnen sollen. Er würde dann beim Hauptgang einsteigen. Das Angebot nehmen wir gerne an.

SPORT BILD hat drei Lesern ein Treffen mit Uli Hoeneß ermöglicht. Jeder Fan hat seine eigene Bayern-Geschichte. Ein Gewinner erreicht der Anruf, als er gerade auf dem Rückflug aus England ist. Später wird er Hoeneß eröffnen, dass er ihm einst ebenfalls aus England einen Brief ins Gefängnis schrieb. Die einzige Gewinnerin am Tisch (verschob extra eine Dienstreise nach Düsseldorf) beeindruckt Hoeneß damit, dass sie sich ein eigenes Bayern-Fan-Shirt kreiert hat, um ihrer Liebe zum Klub den nötigen Ausdruck zu verleihen. Der dritte Leser kann nicht ohne Stolz erzählen, dass sein Sohn am gleichen Datum Geburtstag feiern darf wie der FC Bayern (27. Februar).

Die Vorspeise ist noch nicht mal serviert, da betritt bereits Hoeneß den Raum. „Wissen Sie, dass dies ein ganz besonderes Lokal der jüngeren Bayern-Geschichte ist“, steigt Hoeneß gleich mit einem kleinen Geheimnis ein. „Im Nebenraum wurden schon einige wichtige Verträge abgeschlossen. Die beiden Herren wissen das ja leider auch“, sagt der FCB-Präsident und deutet auf meinen Kollegen Raimund Hinko und mich. „Einige Male haben sie uns hier schon aufgespürt, obwohl wir eigentlich lieber unter uns geblieben wären.“ Ja, ich erinnere mich. Die Verträge von Arjen Robben und Jürgen Klinsmann wurden beispielsweise hier perfekt gemacht. Legendär ist ein Treffen, in dem die Bayern-Führung ihren Trainer Louis van Gaal mit Bundestrainer Jogi Löw und seinem DFB-Stab um Bierhoff, Köpke & Co zusammenbrachte. Während Asket Löw an Wasser und Espresso nippte, frönten die Bayern ihrer Rotwein-Leidenschaft. Die Gesellschaft gab ein ungleiches Bild ab. Bei der Münchner-Fraktion soll die Stimmung deutlich ausgelassener gewesen sein…

Hoeneß entschuldigt sich bei den Gewinnern noch einmal persönlich für die leichte Verspätung, betont dabei, dafür die halbe Stunde länger bleiben zu wollen. Am Ende wird es sogar eine ganze Stunde mehr.

Das Tischgespräch wird in unserer Ausgabe drei Seiten füllen. Die Leser fragen Hoeneß frei von der Leber weg zu jedem Thema. Philipp Lahm, Matthias Sammer, Dr. Müller-Wohlfahrt, Bayern-Jugend und sogar Wladimir Putin, mit dem er nicht nur Bratwürste essen will, werden diskutiert. 

http://m.sportbild.bild.de/bundesliga/vereine/bundesliga/sportdirektor-suche-uli-hoeness-wehrt-sich-51148498.sportMobile.html

Der Platz wird am Ende im Heft natürlich nicht ausreichen, um alles aus einem zweistündigen Gespräch unterzubringen. Neben den großen aktuellen Themen fallen bei solchen Gelegenheiten stets schöne Anekdoten, die ein lebenserfahrener Mann wie Hoeneß zu erzählen weiß. 

Meine Lieblingsgeschichte an diesem Nachmittag, die nicht in das Interview passt, ist die vom „Flutlichtball“.

Seine Sommerferien opferte der 13-jährige Uli Hoeneß seinem großen Traum. Für ihn stand er jeden Morgen um Punkt drei Uhr früh auf. Auf seinem feuerroten Fahrrad trat er dann in die Pedale, damit er rechtzeitig seinen Ferienjob um 5 Uhr beim Lebensmittelgroßhändler Gaissmaier antreten konnte. Als Beifahrer lieferte der junge Hoeneß dessen Produkte vom Bodensee bis Wangen im Allgäu aus. Alles ordnete er seinem Traum unter, der seit Monaten für ihn unerreichbar im Schaufenster des Sportgeschäfts in Neu-Ulm lag: Exakt 34 Mark, weiß Hoeneß noch heute den Preis, trennten ihn vom so ersehnten „Flutlichtball“…

Nun muss ich Hoeneß bei seiner Geschichte unterbrechen. Seit rund 20 Jahren bin ich nun Sportreporter. Ich sah orange Bälle, Filz-Bälle, neuerdings auch nicht-springende Futsal-Bälle – aber ein Flutlichtball? Noch nie gehört! „Herr Hoeneß, was bitteschön ist ein Flutlichtball?“

Hoeneß lacht erst einmal auf meine Frage. In solchen Momenten wird ihm bewusst, dass uns uns beide rund 26 Jahre trennen. „Wissen Sie“, erklärt Hoeneß darauf für die ganze Runde, „früher waren noch alle Bälle braun.“ Der alte Hoeneß erzählt wie der junge Hoeneß nach dem Mittagessen (die Hausaufgaben hatte er da nach eigener Aussage bereits in der letzten Schulstunde – meist Religion –erledigt) mit seinen Freunden direkt zur Schulwiese eilte. Dort kickten sie bis „uns der Hausmeister zum Teufel jagte“. Danach ging es auf einer Bolzwiese weiter, bis die Dämmerung einsetzte oder Mama Hoeneß ihn und Bruder Dieter nach Hause trieb. Der Widerstand der Hoeneß-Brüder war ohnehin gering, da der braune Ball in der Dunkelheit kaum mehr zu sehen war. „Darum wollte ich diesen Flutlichtball, wie wir ihn nannten“, so Hoeneß und löst nun auf: „Eigentlich war es nur ein einfacher schwarz-weißer Ball, wie ihn heute jeder kennt. Für uns war es der Ball, den wir dank den weißen Feldern auch im Dunkeln besser sehen würden können. Er würde unsere Spielzeit am Abend beträchtlich verlängern!“ Es muss nicht erwähnt werden, dass Hoeneß sich seinen Traum am Ende erfüllte.

Die Geschichte gefällt mir gerade deshalb so gut, weil sie so bezeichnend für Hoeneß’ Laufbahn steht. Während alle seine Freunde noch in den Feder-Betten liegen, steht er auf, um sich mit harter Arbeit das zu beschaffen, was alle wollen. Zunächst wird vor allem Hoeneß profitieren, weil nun er auf dem Bolzplatz das Sagen hat. Wer spielt und auf der Bank sitzt, bestimmt nun der kleine Uli, schließlich ist er der Herr über den Ball. Letztendlich haben aber alle Jungs etwas davon, die nun nach Einbruch der Dunkelheit weiter kicken dürfen – mit dem Flutlicht-Ball.

Das große Interview mit Uli Hoeneß lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von SPORT BILD.



 

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