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Knallhart, aber fair – so verteidigt Mats Hummels gegen uns Reporter

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Ich kenne wenige Profis die so konsequent sind wie Mats Hummels. Eine Eigenschaft, die ich grundsätzlich an ihm schätze. Auch, wenn sie für mich zuletzt für eine längere Phase leider sehr von Nachteil war. Was ihn zudem charakterisiert: Hummels antwortet immer ehrlich und direkt, spricht ohne Umschweife aus, was er denkt (er achtet auch auf viele Spielnoten sehr genau). So war seine Begrüßung bei unserem ersten offiziellen gemeinsamen Termin seit seinem Wechsel zum FC Bayern für meinen Kollegen Tobias Altschäffl und mich unmissverständlich. „Das dürfte der erste Einzeltermin mit SPORT BILD seit Mai 2013 sein“, kam Mats sofort zum Punkt, während er auf den noch freien Stuhl mit dem FC Bayern-Kissen Platz nimmt. Wir wussten, worauf er anspielt und danken ihm, dass der Termin dennoch endlich geklappt hat. Hummels ist gut drauf und legt noch mal nach: „Ich habe ja schon von 2020 auf 2017 vorgezogen.“ Und wieder kann ich nicht widersprechen: Er hat ja Recht. Es ist das Ende einer langen Schweigenszeit…

Ich werde oft gefragt, warum ich neben meinen Artikel auch noch blogge. Wie fast immer gibt es mehrere gute Gründe, doch einer ist mir besonders wichtig: Im Zeitalter der neuen Medien kann niemand mehr so richtig nachvollziehen, woher die Breaking-News kommt, die in der nächsten Minute im Internet ungeprüft hundertfach abgeschrieben wird. Umso wichtiger finde ich die Transparenz, aufzuzeigen, wie die Geschichte über die bloße Nachricht hinaus entstand. Ihre Hintergründe, die Menschen darin und ihre gegenseitigen Beziehungen. Dass letztere im Spieler-Reporter-Verhältnis nicht immer einfach, mitunter sogar sehr schwierig, dennoch oft zugleich herzlich und respektvoll sein können, zeigt unser aktuelles Interview mit Mats Hummels. Beziehungsweise: seine lange Vorgeschichte.

Das Gefeilsche um die Jahreszahlen geriet seit der WM 2014 schon zum Running-Gag, wenn Mats und ich uns bei der Nationalmannschaft über den Weg liefen. 2020 war das Jahr, dass er für den nächste Eins-zu-Eins-Termin mit uns in Aussicht gestellt hatte. Mal antwortete ich ihm darauf scherzhaft, dass die WM 2018 doch ein realistischerer Zeitpunkt angesichts seines hohen Alters wäre. Vor der EM schlug ich ihm Juli 2016 für den Fall vor, dass es in Frankreich mit dem EM-Titel klappen sollte. Doch Mats blieb konsequent bei 2020. Hummels wäre allerdings nicht Hummels würde er nicht differenzieren. Sein Boykott betraf explizit nur offizielle Eins-zu-Eins-Interview-Termine. Nach Spielen sprachen wir mit ihm der Mixedzone ganz normal über Sport-Themen, privat plaudern war ohnehin okay. Nach dem EM-Ausscheiden der deutschen Mannschaft in Marseille interviewten wir Hummels im Presse-Bereich fast 20 Minuten alleine, so dass daraus damals schon ein Exklusiv-Interview inklusive Schlagzeile („Meine Pläne mit Bayern“) entstand. Es war sogar das erste Interview von Mats, das fast monothematisch über seine Zukunft beim FC Bayern ging. Der Wechsel an sich sollte die Ausgangssituation zudem verändern. Beide Seiten waren sich einig: Dies sei ein guter Grund für einen Neuanfang in unserer vorbelasteten Beziehung.

Auslöser für seinen Boykott war das von ihm angesprochene Interview, das zwar nicht im Mai, dafür Anfang Juni stattgefunden hatte. Damals trug Hummels noch das gelbe Borussen-Dress, der Kollege, der ihn für unsere Redaktion befragte, ist unser Dortmund Reporter. Es war der Sommer, in dem Mario Götze vom BVB zum FC Bayern wechselte. Natürlich war das auch ein Thema in dem Gespräch.

Hummels sagte damals auf die Frage, ob er den Wechsel von Mario Götze zu Bayern nachvollziehen könne: „Nein, das habe ich ihm auch so gesagt. Es hat jeden in der Mannschaft überrascht. Das zeigt doch, dass es vorher nie ein großes Thema war. Jeder hat doch gesehen, wie gut unsere Mannschaft ist. Ich glaube einfach, dass es sportlich wenig bis keine Gründe gibt oder gab, uns zu verlassen. Man konnte sehen, wie sich unser Team entwickelt hat, und Mario hat sich mit vielen super verstanden. Deshalb hat es mich auch so geärgert, dass er der Meinung war, so früh weggehen zu müssen.“ Eine Aussage, die Mats so autorisierte und auch in der Folge dazu stand. Was ihm aber nicht gefiel, war die Schlagzeile, die zu dem Interview auf dem Titel stand. Deshalb reagiert er auf seinen Facebook-Account:

„Ich habe vorhin davon erfahren, dass die SPORT BILD aus meinem Interview (!?) die Überschrift ,Hummels rechnet mit Götze ab’ gemacht hat. Ich stelle aber schon mal klar, dass ich da keineswegs eine Abrechnung darin sehe. Ich äußere mich kritisch (wie auch sonst wenn man von so einem Wechsel negativ betroffen ist / Smiley-Emoji) aber keineswegs überhart wie ich finde. Leider wird mittlerweile aus jedem Satz der nicht 08/15 ist ja ein Skandal oder eine Sensation gemacht…“

Die Antwort auf den Post gab es prompt von meinem damaligen Chefredakteur, ebenfalls via Facebook:

Lieber Mats Hummels,

zunächst einmal Anerkennung, dass Sie im SPORT BILD-Interview Klartext reden und nicht Wischi-Waschi. Damit heben Sie sich wohltuend von vielen Kollegen ab. Kurz zu Ihrem Facebook-Post: Wir haben weder Sensation, noch Skandal darübergeschrieben, sondern es als Abrechnung mit Götze interpretiert. In Ihrem Post legen Sie Wert darauf, dass Ihre Aussagen nicht „überhart“ wären. Das liest sich für mich so, dass Sie die Bewertung „hart“ selbst zutreffend finden. So sehen wir das auch. Übrigens haben Sie völlig Recht: Ihre Sätze über Götze sind alles andere als 08/15. In der Deutlichkeit hat sich bisher kein BVB-Angestellter zu dem Wechsel geäußert. Beste Grüße aus Hamburg, Matthias Brügelmann (SPORT BILD)

Ich konnte beide Argumentationen verstehen. Journalistisch war die Überschrift absolut nachvollziehbar. Nach Mats Differenzierung konnte ich aber auch seinen Ärger verstehen, da die Titelzeile sein Verhältnis zu Mario Götze belastet hatte. Der entscheidenden Punkt war: Am Ende respektieren beide Seiten ihre Sichtweisen und ihre Folgen. Auch aus diesem Grund wählten wir als Schwerpunkt unseres aktuellen Interviews in SPORT BILD das Thema: Respekt.


Hummels bewundert für seinen respektvollen Umgang Carlo Ancelotti. Vom Zeugwart über die Spieler bis zum Koch, der Trainer behandle alle Klub-Mitglieder gleich. Das zeichne Ancelotti aus, erzählt Hummels, und ist dankbar, dass er selbst den respektvollen Umgang aus seinem Elternhaus mitbekommen habe. Was ihm noch an dem Italiener gefällt: Er kann ihm auf Twitter folgen, als einer von rund 2,2 Millionen Followern. Hummels steht bei 1,5 Millionen. Allerdings hat er auch eine zweistellige Anzahl gesperrt, verrät er. Grund: respektlose Äußerungen.

Lesen Sie das Interview von Mats Hummels („Der Umgang wird immer respektloser“) in der aktuellen SPORT BILD.

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