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Sanches, Fake News & Standard-Klauseln

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Der vier Tage zuvor gerade 19 gewordene Jungstar saß mit großen Augen in seinem neuen, strahlend-weißen Audi A3 und ließ sich aufgeregt zwei Dinge an seinem neuen Dienstwagen einstellen: den Fahrmodus auf „Sport“ sowie die Navigation auf „Portugiesisch“. Ein Audi-Mitarbeiter half Renato Sanches dabei, natürlich in seiner Landessprache. Danach übersetzte er für mich, denn auch mit Englisch kam ich bei dem Portugiesen nicht weiter. Dank dem provisorischen Auto-Dolmetscher kam Sanches ins Plaudern. Er erzählte mir, dass ihm ein Bayern-Angestellter bei der Eingewöhnung helfe. Er mache sich Hoffnung auf baldige Einsätze. Und die Südländer im Team würden sich bereits um ihn kümmern. Es war ein nettes Gespräch. Für ein aussagekräftiges Interview reichten die Sätze jedoch nicht, deshalb druckte ich nichts davon. Im August 2016 wusste ich noch nicht, dass dies für lange Zeit vielleicht das einzige ausführlichere Gespräch von Sanches mit einem deutschen Medienvertreter sein würde.

Renato Sanches ist inzwischen angehalten, keine großen Interviews zu geben. In Deutschland sprach er bisher lediglich auf Verbandsseiten („Herthabsc.de“) oder in Medien seiner Heimat wie der portugiesische Zeitung „A Bola“. Dem TV-Sender „Sport TV+“ gab er im Februar erstmals einen kleinen Einblick in sein Seelenleben. „In ein neues Land zu gehen, war ein heftiger Wechsel für mich“, gestand Sanches. Die aktuelle Berichterstattung um weitere Millionen-Klauseln im Zuge seines 35-Millionen-Euro-Transfers machen seine Situation sicher nicht leichter. Wie sensibel das Thema Sanches selbst im Klub gehandhabt wird, zeigt, dass der FC Bayern sich per Pressemittelung am 2. Mai um 15.41 Uhr genötigt fühlte, klarzustellen:

Zu Medienberichten, der FC Bayern München müsse beim nächsten Pflichtspieleinsatz von Renato Sanches eine Nachzahlung in Höhe von fünf Millionen Euro an dessen früheren Verein Benfica Lissabon zahlen, stellt der FC Bayern fest: Diese Darstellung ist falsch. Weder ist eine Nachzahlung beim nächsten Einsatz von Renato Sanches fällig noch in einem der darauffolgenden Spiele. Darüber hinaus wird der FC Bayern keine Informationen zu Vertragsinhalten bekannt geben.“

Das portugiesische Portal „Zero Zero“ und die Zeitung „Record“ hatten berichtet, die Bayern müssten im Falle des nächsten Pflichtspiels des Portugiesen, seinem 25. in dieser Saison, aufgrund einer Klausel weitere fünf Millionen Euro an Benfica Lissabon zahlen. Deutschen Medien übernahmen die Nachricht, auch ich twitterte sie mit Verweis auf die Quelle. In Zeiten der „Fake News“-Debatte war die Reaktion der Leser nach dem Klub-Dementi natürlich groß. Als über die gleiche Klausel aus Portugal im Mai 2016 berichtet wurde, gab es allerdings noch keine Reaktion des Klubs. Auch, dass sich die Ablösesumme von Sanches auf 80 Millionen Euro hochaddieren könne, wie mehrmals aus Portugal berichtet wurde, blieb bisher unkommentiert. Diese Zahl hätte der FC Bayern in seiner Erklärung gleich mit dementieren können – tat es aber nicht.

Mit Klauseln ist das so eine Sache. Der FC Bayern verwendete in Spieler-Verträgen beispielsweise schon mal bei Prämien-Regelungen, die nach Einsätzen gestaffelt werden, eine Standard-Klausel, die sich wie folgt liest:

„Als ein Spiel wird gewertet, wenn der Spieler „X“ in der der Anfangself beginnt oder mindestens 45 Minuten zum Einsatz kommt. Beträgt der Einsatz weniger als 45 Minuten, wird hierfür ein halbes Spiel angerechnet.“

Würde so eine Regel – hypothetisch gesehen versteht sich, man will ja keine juristische Auseinandersetzung riskieren – im Fall von Sanches‘ Transfer-Vertrag mit Benfica Lissabon gelten, müsste man die Einsätze des Portugiesen neu beleuchten.

Vor dem Heimspiel am Samstag gegen Darmstadt stand Sanches in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League insgesamt achtmal in der Startelf. Gegen Eintracht Frankfurt wurde er zur Halbzeit eingewechselt, was laut obiger Regelung ebenfalls als ganzer Einsatz gewertet wird. Bei seinen 15 weiteren Spielen für Bayern wurde der Mittelfeldmann später eingewechselt, weshalb sie nur zur Hälfte zählen. Nach dieser Rechnung stünde Sanches aktuell bei 16,5 Einsätzen. Selbst wenn der Portugiese also die restlichen drei Liga-Spiele komplett bestreitet, käme er nicht auf 25 Pflichtspieleinsätze nach dieser hypothetischen Klausel-Regelung.

Die Pressemitteilung des FC Bayern würde sich auch für diesen Fall richtig lesen:

„Weder ist eine Nachzahlung beim nächsten Einsatz von Renato Sanches fällig noch in einem der darauffolgenden Spiele.“

Da der FC Bayern über diese Pressemitteilung hinaus keine Informationen zu Vertragsinhalten bekannt geben will, wird die Hypothese auch eine bleiben.

P.S. In einem vorherigen Bericht aus Portugal hieß es übrigens, eine Klausel würde Benfica Lissabon weitere fünf Millionen Euro im Falle des 25. Länderspiels von Renato Sanches garantieren. Sicher ist für diesen hypothetischen Fall, dass die Nachzahlung weder beim nächsten Einsatz noch in einem der darauffolgenden Spiele fällig wird. Derzeit steht der Portugiese bei 13 Partien.

 

 

 

 

 

 

n einen Audi A3 Sportback mit Zweiliter-TDI

 

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