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So denken die DFB-Stars über Spiel-Noten

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Die Spieler trainieren vor uns Reportern auf dem einstigen Olympia-Gelände von Sotchi in „Greifweite“. Mitten unter ihnen schwitzt Oliver Bierhoff in kurzen Hosen. Zwischen der Tripple-Schritt-Übung kommt er kurz an den Spielfeldrand, begrüßt mich per Handschlag. Dem Teammanager ist offenbar nicht entgangen, dass ich aufgrund meiner separaten Anreise über Moskau die erste Einheit am Donnerstag verpasst habe. Der deutsche Journalisten-Tross beim Confed Cup ist tatsächlich übersichtlich. Den Großteil der Weltmeister hat Jogi Löw in den Urlaub entlassen, weshalb das Medien-Interesse geringer ist als üblich. Selbst die Experten können aufgrund des Perspektiv-Kaders – oder schlichtweg der B-Mannschaft – nicht einschätzen, wie lange dieses Turnier für Deutschland dauern wird.


Als ich zuletzt mit Lothar Matthäus seine Kolumne für unser Magazin besprach, brachte mich der Rekordnationalspieler erstmals auf den zunächst für mich völlig überraschenden Gedanken, dass schon nach der Vorrunde Schluss sein könnte. „Das Schlüsselspiel wird Kamerun werden“, sagt Matthäus. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, wie Recht Lothar damit hat.

Seit dem Confed Cup 2005 bin ich es gewohnt, mit der Nationalmannschaft mindestens bis zum Halbfinale bei den Turnieren zu bleiben. Australien, Chile und Kamerun heißen die Gegner, von denen es gilt, mindestens zwei hinter sich zu lassen. „Wir sollten nicht vergessen, dass wir zuletzt in Kaiserslautern gegen Australien lediglich 2:2 gespielt haben“, sagt mir Shkodran Mustafi, als wir im DFB-Team-Quartier zusammensitzen. Ich erinnere mich: Deutschland hatte bei seinem Auftaktspiel 2015 dabei noch Glück, dass Lukas Podolski in der 81. Minute immerhin den Ausgleich erzielte. Wie in den vergangenen beiden Spielen testete Jogi Löw damals die Dreier-Kette. Chile ist für mich der Favorit auf das Turnier, Afrika-Meister Kamerun ein schwer einzuschätzender Gegner in der Gruppe. Als „Musti“, wie man ihn nennen darf, und ich über die Konstellationen diskutieren, höre ich in meinem Rücken jemand sagen: „Ah die SPORT BILD, mit denen rede ich nicht.“ Ich drehe mich um und sehe Sandro Wagner vorbei huschen, der gerade auf dem Weg zum Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ist. Ich kann mir schon denken, um was es geht. Als wir uns kurz darauf zufällig noch mal am Fahrstuhl über den Weg laufen, spreche ich ihn dennoch an: „Sandro, gibt es ein Problem?“ Wagner lacht: „Nein, nein, kein Problem, war nur Spaß“, erwidert er, fügt dann aber an: „Allerdings hat mir die Note 5, die ihr mir im Dänemark-Spiel gegeben habt, natürlich weniger gefallen. Aber nicht so wichtig…“ Klar, ist es wichtig. Die Noten werden von den Nationalspielern genau verfolgt. Oft sind sie der Anlass, dass ein Profi monatelang nicht mehr mit einem Medium spricht, weil er sich ungerecht behandelt fühlt. Egal, was die Spieler sagen: Kalt lassen sie die Noten nie!

Wagner bekam die 5 von mir, weil er gegen Dänemark noch die Bindung zum deutschen Spiel vermissen ließ, vor dem Tor zu hektisch und unsicher agierte. Genauso wie sein Partner in der Offensive Lars Stindl (ebenfalls Note 5). „Zugegeben, ich war da sehr kritisch“, sage ich zu Sandro, bei dem ich ehrlich gesagt lange zwischen Note 4 und 5 geschwankt hatte. „Das Gute daran ist: Diese Note kannst Du in den nächsten Spielen locker steigern, vielleicht motiviert sie dich ja sogar.“ Wagner lacht. „So siehst du das also, na gut“, schmunzelt er und verabschiedet sich. Der Hoffenheimer ist ein Typ, wie ich ihn als Spieler schätze. Klar in der Meinung und selbstbewusst genug um sie zu vertreten. Dabei keiner, der nach Kritik beleidigt den Kopf einzieht, sondern das Gespräch sucht. Ein paar Tage später schießt er gegen San Marino seine ersten drei Tore für Deutschland – und erntet dafür die SPORT BILD-Note eins.


Beim Confed Cup wird die nächste Generation zeigen, ob sie das Zeug hat, Deutschland auf Dauer in den Halbfinals zu halten. Unter diesem Aspekt werde ich auch die Noten vergeben. Wer den Adler auf der Brust trägt, muss sich bewusst sein, dass er an diesem Trikot gemessen wird. Nicht an Maßstäben, die sonst bei Bundesliga-Spielern von Hoffenheim, Gladbach oder der Hertha angewendet werden.

Meinen Rückflug habe ich übrigens noch nicht gebucht.

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