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Abschied und Wiedersehen mit Toni Kroos

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Sein Abgang aus der Allianz Arena, in der er sechs Jahre das Bayern-Trikot getragen hat, sprach Bände über seinen Stellenwert bei Real Madrid. Umringt von einer Journalisten-Traube musste sich Toni Kroos den Weg zum Mannschaftsbus bahnen. In seinem Rücken folgten Cristiano Ronaldo und Sergio Ramos. Das Führungstrio ging als letztes. Ich winke Toni nur kurz zu, zum Plaudern ist an diesem Abend kurz vor Mitternacht nicht der richtige Moment. Ohnehin ist mit dem Ergebnis alles gesagt: Mit dem 2:1-Sieg in München holte er sich endgültig auch in der alten Heimat die Anerkennung, die ihm einst an der Säbener Straße versagt wurde.


Toni und ich saßen zuletzt länger bei der EM in Frankreich zusammen. Er gab mir sein einziges Exklusiv-Interview während des Turniers, direkt vor dem Halbfinale gegen die Franzosen. Eigentlich war er nicht wirklich scharf darauf zu sprechen, aber er hatte es mir vor der EM zugesagt. „Wenn man mein Wort hat, dann wird das auch eingehalten“, sagte er – und das kann ich so unterschreiben. Gegenseitiger Respekt ist Kroos wichtig. Fehlender Respekt wie Anerkennung war dagegen der Grund, warum er dem FC Bayern den Rücken kehrte.

Im April vor zwei Jahren besuchte ich Toni in Madrid. Auf der Dachterrasse des „Ciudad Real Madrid“, dem Trainingszentrum der Königlichen, empfing er meinen Kollegen Raimund Hinko und mich. Ein Jahr nach seinem Abschied aus München weiß ich zu dem Zeitpunkt, dass über seine Verlängerung oder Absage in bei Bayern am Ende eine einzige Million Euro entschied – zugegeben pro Jahr.

Der FC Bayern hatte seinem Profi angeblich 9 Millionen Euro Gehalt für eine Verlängerung geboten, Kroos stellte sich offenbar mindestens 10 Millionen Euro vor. Damit wäre er im Gehaltsgefüge zu Spielern wie Philipp Lahm, Thomas Müller und fast auch zu seinem Kumpel Mario Götze aufgerückt. Die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß waren in diesem Punkt allerdings so konsequent wie selten zuvor bei Gehaltsverhandlungen: Den Forderungen des Spielers würde der Klub nicht nachgeben. Folgerichtig fiel das Gespräch im Konferenzraum des zweiten Stocks der Säbener Straße sehr kurz aus. Kroos-Berater Volker Struth soll bei Ansicht des vorgelegten Angebots den Bayern-Bossen erwidert haben: „Dann brauchen wir gar nicht mehr weiterreden…“ Geredet wurde natürlich trotzdem. Der damalige Sportvorstand Matthias Sammer saß bei Kroos auf der Couch, um ihn vielleicht doch zum Bleiben zu überreden. Trainer Pep Guardiola sprach dreimal im Büro von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vor, um den Stellenwert von Kroos in seiner Spielphilosophie zu verdeutlichen. Umsonst.

Nun sitzen wir im April 2015 statt in München auf der Terrasse in Madrid. Toni weiß, was wir wissen. Aber es ist an diesem Nachmittag auch klar, dass der neue Star von Real Madrid keine schmutzige Wäsche mit seinem Ex-Klub waschen wird. Dennoch wollen wir der Wahrheit so nah wie möglich kommen. So entwickelt sich ein spannendes Frage-Antwort-Spiel, um die entscheidenden Personen für seinen Abgang einzukreisen. Als erstes stelle ich daher die Frage nach der Anerkennung. Wird sie durch das Gehalt ausgedrückt? Toni schmunzelt, bevor er antwortet:

„Natürlich war es für mich von Bedeutung, dass sich in meinem Vertrag auch die Wertschätzung im Klub widerspiegelt. Das angebotene Gesamtpaket von Bayern hat mich am Ende zur Überzeugung gebracht, dass es wohl besser ist, etwas Neues zu machen.“

Damit hatte er geschickt umschrieben: Ja, das Bayern-Angebot empfand er als fehlende Wertschätzung, wenn nicht sogar als Beleidigung. Nun beginnt das aussortieren… Ich frage nach Guardiola, der nach unseren Wissens bis zum Schluss in der Vorstandsetage um ihn gekämpft hatte.

„Die Gespräche mit dem Trainer waren immer positiv, auch was meine Zukunft betrifft. Er hätte mich sicherlich gerne weiter in seiner Mannschaft gehabt. Aber auch Pep Guardiola ist – in Anführungsstrichen – nur der Trainer, der die Entscheidung nicht alleine treffen kann.“

Ok, Guardiola wollte ihn behalten. Wie angeblich auch Matthias Sammer, darum fragen wir nun nach dem Hausbesuch des Sportvorstands bei der Familie Kroos.

„Matthias Sammer war tatsächlich bei mir zu Hause, um mich vielleicht doch noch umzustimmen. Wir waren ja immer in gutem Kontakt. Er hat meinen Weg seit der U-17-WM 2007 als DFB-Sportdirektor verfolgt. Er war immer von mir überzeugt, daher ist es klar, dass er wollte, dass ich bleibe.“

Jetzt sind wir fast am Ende des Frage-Antwort-Spielchens, ich muss nur noch die offensichtliche Schlussfolgerung aussprechen: Dann bleiben nicht mehr so viele Nicht-Befürworter…

„Aber immer noch genug, die beim FC Bayern etwas zu sagen haben.“

Und damit war auch alles gesagt.

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