Auf einen Café mit Titan

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Oliver Kahn betritt am Sonntag kurz nach 11 Uhr „Lang‘s Caféserie“ (Slogan: das süße Herz Grünwalds). Er kann nicht vor vier Uhr im Bett gewesen sein, und trotzdem ist er pünktlich. Als ZDF-Experte saß er am Vorabend noch bis nach Mitternacht im „Sportstudio“. Sein Sender hätte ihm auch einen Rückflug aus Mainz nach München bezahlt, doch Kahn fuhr die über 400 Kilometer in der Nacht im Auto zurück. Ohne Chauffeur, ein Titan sitzt selbst am Steuer. „Das fahren entspannt mich“, sagt Oliver, als er sich zu mir an den Tisch setzt.

Seit November berichtet SPORT BILD exklusiv und kontinuierlich über die Bayern-Pläne, Kahn als zukünftigen Boss in den Klub zu holen. Oliver kommentierte die Berichterstattung mir gegenüber nie. Trotz vieler Anfragen. Ich kenne ihn dabei nun schon rund 20 Jahre. Im Sportjournalismus muss man jedoch auch mal Verständnis aufbringen, wenn ein altbekannter Protagonist zu einem Zeitpunkt nicht antworten kann. Nachdem Aufsichtsratschef Uli Hoeneß im Sport1-Doppelpass erstmals öffentlich unsere Schlagzeile zuvor („So läuft das mit Kahn und Bayern“) bestätigte, ist das auch Kahn möglich.

Jetzt sitzt Oliver vor mir beim Kaffee, um über seine Zukunftspläne mit Bayern zu sprechen. So wie vereinbart. Ein Kahn, ein Wort.

In der Vergangenheit hatte Oliver dem FC Bayern einige Absagen erteilt, zuletzt 2017 für den Posten des Sportdirektors. In den zwei Stunden, in denen wir sprechen, wird immer deutlicher, wie tief die Verbindung zwischen Kahn und dem FC Bayern noch immer ist. So richtig weg war er ja nie. Vor Jahren ertappte ich Uli Hoeneß und ihn, wie sie sich in einem der Hinterzimmer im Feinkost-Restaurant „Käfer“ zu vertraulichen Gesprächen trafen. Schon zu Spielerzeiten gab es kaum einen Profi, der den Klub besser verstand, das „Mia san mia“-Gefühl der Bayern stärker verkörperte als Kahn.

„Du weißt, wie das alles damals war, du warst dabei“, erinnert er mich. Ja, es waren große, erfolgreiche Zeiten. Mit dem Champions-League-Sieg 2001 als Höhepunkt. Als Jungjournalist stand ich damals beim Finale in Mailand gegen Valencia im Bayern-Block, direkt hinter dem Tor von Kahn. So auch beim erfolgreichen Elfmeterschießen, in dem er drei Schüsse hielt.

Kahn hat mit dem FC Bayern alles erlebt, was in der Karriere eines Fußballers möglich ist. Heute weiß er, was er seinem Klub zu verdanken hat. Ich spüre im Verlaufe des Interviews, dass er nun den Zeitpunkt für sich gekommen sieht, um dem FC Bayern auch nach seiner aktiven Karriere etwas zurückzugeben.

Als Kahn das Café verlässt, bin ich mir sicher: Schon bald werde ich ihn wiedersehen – als Vorstandsmitglied des FC Bayern.

Das große Interview mit Oliver Kahn lest Ihr in der aktuellen Ausgabe von SPORT BILD.