Bayern-Prügeleien: „Die Kopie wird niemals so gut sein wie das Original“

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Wenn es beim FC Bayern auf dem Rasen kracht…

Niko Kovac: „Im Training sind Emotionen. Man kann es auch positiv sehen: Wir leben!“

Die Planen rundum den Trainingsplatz des FC Bayern waren hochgezogen, als Robert Lewandowski und Kingsley Coman sich beim Training einen Faustkampf lieferten. BILD hat es trotzdem erfahren, berichtete davon am Freitag in seiner Ausgabe. Früher war das leichter: Ich konnte als Jungreporter die Fights der Bayern-Stars noch in der ersten Reihe am Ring verfolgen – und darüber berichten.

Niko Kovac: „Wir habe zu dritt zusammengesessen, das besprochen und unter Männern geregelt.“

Ich schicke Bixente Lizarazu das Prügel-Foto aus der BILD per WhatsApp. Für die Antwort braucht er nur ein paar Minuten. „Die Kopie wird niemals so gut sein wie das Original“, schreibt er. Dazu ein lachendes Emoji. Auch Liza selbst kann heute darüber Witze machen. Damals war es aber ernst.

August 1999: Es war meine erste Saison, in der ich als Reporter beim FC Bayern eingesetzt wurde. Anders als die arrivierten Kollegen stand ich bereits morgens auf dem Spieler-Parkplatz, um die Profis schon vor dem Training zu begrüßen. Daher war ich auch vor Ort, als es beim Warmachen zwischen Lothar Matthäus und Bixente Lizarazu krachte (ein paar Kollegen kamen zu spät). Der Franzose hatte sich geweigert, beim Kreiserl in die Mitte zu gehen, da er den Fehler nicht bei sich sah. Führungsspieler Matthäus gab wiederrum die klare Anweisung, dass Lizarazu sich ins Zentrum begeben solle. Das Problem dabei: Liza verstand kein Deutsch, fühlte sich stattdessen beleidigt. Die Folge: Eine kräftige Watschn für Matthäus. Trainer Ottmar Hitzfeld schickte daraufhin beide in die Kabine.

Was ich erst später erfuhr: Hitzfeld rieb sich nach dem Training über den Vorfall die Hände. Einem Vertrauten sagte er: „Das war das Beste, was mir passieren konnte. Jetzt ist endlich richtig Feuer in der Mannschaft.“ Hintergrund: Die Mannschaft hatte im Mai zuvor das legendäre Champions-League-Finale in Barcelona mit zwei Last-Minute Toren gegen Manchester United verloren (1:2).

Hitzfeld behielt Recht: Die Prügelei der beiden Führungsspieler belebte das Team. Bayern holte am Saisonende das Double.

 

November 2002: Wieder stand ich live dabei, gemütlich über dem niedrigen Gitterzaun lehnend, als es auf dem Rasen Prügel gab. Sammy Kouffour war auf Jens Jeremies nach einer Spielsituation losgegangen. Meinen Block zückte ich aber, als Thorsten Fink vom Rasen ging. Ihn rufe ich an, um meine Erinnerungen an damals aufzufrischen. Thorsten begrüßt mich lachend, denn er kann sich schon denken, um was es geht. Er hatte über den Lewandowski/Coman-Vorfall schon in der BILD gelesen. „Ja, damals war ich das Opfer. Dabei wollte ich nur als Schlichter dazwischen gehen. Am Ende bekam ich von Sammy eine reingehauen und trug ein Veilchen davon“, schildert mir Torsten noch mal die Szene. Als ich ihn auf die Hitzfeld-Theorie anspreche, sagt Fink, der heute selbst Trainer ist: „Da hat Ottmar absolut Recht. Er nutzte solche Momente wie kein anderer, um die Mannschaft neu zu beleben.“

So kam es auch: Wie schon zum Saisonende 2000 holten die Münchner 2003 erneut das Prügel-Double.

 

Fink merkt aber auch an: „So etwas hat meist nur einen positiven Effekt, wenn es läuft. Steckt die Mannschaft in einer sportlich eher schwierigen Situation, kann das auch negative Auswirkungen haben.“ Auch für diese Theorie lieferte Bayern bereits einen Beleg.

Niko Kovac: „Gestern gab es einen Trainingsvorfall, den ich kurz kommentieren möchte. Es kam zu einer Handgreiflichkeit zwischen zwei Spielern, die namentlich erwähnt wurden.“

 

April 2012: Arjen Robben geht in der Mixedzone der Allianz Arena nach dem Abpfiff das Champions-League-Hinspiels gegen Real Madrid trotz des 2:1-Sieges wortlos an mir vorbei. Dabei fällt mir auf, dass er ein verschwollenes Auge hat. Er selbst will dazu nichts sagen, daher hänge ich mich ans Telefon. Auch meine Kollegen bei SPORT BILD telefonieren ihre Kontakte ab. Schon bald haben wir die Bestätigung, die wir online vermelden: Ribéry verpasste Robben einen Schlag aufs Auge. Grund der Holländer hatte eigenwillig einen Freistoß getreten, der nach Ansicht von Ribéry eigentlich für Toni Kroos bestimmt war.

Ein Spieler, den ich aus Gründen des Quellenschutz nicht nennen werde, schilderte mir die Szene wie folgt: „So etwas habe ich bisher nur in den Rocky-Filmen gesehen.“ Beide Profis wurden daraufhin zu den Bossen hochzitiert, Ribéry sollte sich entschuldigen. Nach Arjens Geschmack sollen ihm die Worte etwas zu widerwillig über die Lippen gekommen sein.

 

Nun zur Fink-Theorie: Der Saisonabschluss nach der Prügelei fiel für Bayern-Verhältnisse sehr enttäuschen aus. Sowohl in Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League wurden die Münchner in allen Wettbewerben nur Vize-Bayern.

Niko Kovac: „Die beiden haben sich entschuldigt für ihr Verhalten. Es tut ihnen sehr leid, dass es dazu kam. Aus diesem Grund gibt es nichts mehr hinzuzufügen und keine Geldstrafe, weil die Jungs einsichtig waren. Damit ist das ad acta gelegt.“

P.S.

April 2019: Aktuell führt der FC Bayern die Tabelle an, steht im DFB-Pokal-Halbfinale. Das Prügel-Double wäre also noch drin –allerding auch zwei Vize-Plätze.