Boateng ist der Chef ohne Binde

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Wenn Deutschland am Sonntagabend gegen die Ukraine in die EM startet, darf ein Spieler des Mannschaftsrats die Kapitänsbinde als Stellvertreter für Bastian Schweinsteiger tragen. Jerome Boateng wird es nicht sein.

Der Abwehrchef hat nie verhehlt, dass es sein Traum wäre, als erster schwarzer Nationalspieler Kapitän der deutschen Nationalmannschaft zu werden. Inzwischen weiß er, dass dies gar nicht mehr zwingend nötig ist: Selbst ohne Binde geht Boateng längst Deutschland voran.

Der von der AfD angestoßenen „Nachbar“-Debatte nahm der Bayern-Profi souverän die Publicity, indem er statt zurückzuschießen, AfD-Vize Alexander Gauland in seiner Nachbarschaft willkommen hieß. Auch Pegida stellte er ganz locker nebenbei ins Abseits. Als die Gruppe sich auf Facebook über angeblich „undeutsche“ Gesichter auf der Kinderschokolade echauffierte, versteigerte Boateng kurzerhand drei von ihm signierte Tafeln auf Ebay. Der Junge auf der Packung war er selbst. Kleine Pointe nebenbei: Der Erlös ging an eine Flüchtlingshilfe.

Boateng nimmt aber auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um seine persönliche Haltung geht. Seine Aussage in SPORT BILD, er habe seinen Kindern aufgrund der Terror-Gefahr den Besuch in den EM-Stadien untersagt, war ein deutliches politisches Statement, das nicht jeder Spieler getroffen hätte. DFB-Präsident Grindel verbeugte sich verbal („Ich respektiere seine Meinung“).

Sportlich braucht Deutschland nach den Ausfällen von Mats Hummels und Antonio Rüdiger den Abwehr-Chef mehr denn je. Boateng wird auch in dieser Rolle wieder voran gehen.