Cyber-Schalten mit den Reus, Can und: Sepp Maier!

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Ich sitze im Homeoffice am Chiemsee, mein Kollege Sven Westerschulze in seiner Wohnung in der Dortmunder Innenstadt. Zwölf Kilometer weiter wählt sich im Stadteil Syburg der Grund unserer Zoom-Schalte ein: BVB-Kapitän Marco Reus. Kai Psotta, aus seinem Berater-Team, sitzt in München vor dem Computer. So gehen Sport-Interviews in Zeiten von Corona!

Marco kenne ich, seit er im November 2011 für die Nationalmannschaft debütierte. Damals interviewte ich ihn im DFB-Mannschaftshotel „Side“ in Hamburg vor dem Länderspiel gegen Holland (3:0), wo er erstmals eingewechselt wurde. Die wichtigste Frage des Gesprächs machten wir auch zur Überschrift. Sie lautete: „Dortmund oder Bayern, Herr Reus?“


Marco Reus meldet sich aus seiner Dortmunder Wohnung

Der gebürtige Dortmunder beantwortete die Frage damals nicht, blieb ganz diplomatisch („Das Bayern-Interesse ehrt mich“). Ich erinnere mich noch, dass ich Marco gegenüber am Ende des Gesprächs erwähnte, dass ich eine Wette laufen hätte. Ich tippte auf seinen Bayern-Wechsel. Einsatz: eine Kiste Wein. Würde er mir beim Gewinn helfen, so schlug ich vor, wollte ich ihm eine Flasche abgeben. Er grinste und meinte: Er bevorzuge Weißwein. Dazu zwinkerte er. Keine zwei Monate später bestätigte der Jungprofi auf der Homepage von Borussia Mönchengladbach seinen Wechsel zum BVB. Ich musste beim Lesen der Meldung schmunzeln und dachte mir: Da hat mich Marco schön verschaukelt, er wusste sicherlich da schon längst Bescheid. Ein gewiefter Typ, dieser Reus.

Inzwischen spielt Marco Reus seine achte Saison für den BVB, ist zudem zum Kapitän aufgestiegen. Er ist fleischgewordener BVB. Obwohl wir in der Zwischenzeit schon einige weitere Interviews geführt haben, frage ich ihn noch einmal nach damals, dem November 2011. War Bayern denn wirklich jemals eine echte Option für ihn? Reus muss heute nicht mehr diplomatisch sein. „Ich habe größten Respekt vor Bayern München“, sagt er, dann kommt sein Aber: „Als ich damals in Gladbach spielte, war für mich klar: Innerhalb der Bundesliga wechsele ich nur nach Dortmund, sonst gehe ich ins Ausland.“

Ich finde Typen wie Reus und Thomas Müller gut, die ihre Karriere einem, ihrem Verein verschreiben. Das sage ich ihm auch so. Marco sieht das ähnlich. Ihm fallen dazu noch Namen wie Francesco Totti und Daniele de Rossi ein. Am Ende meint Reus, dass Typen wie die beiden Italiener, Müller und er in Zukunft seltener würden.


Emre Can und ich schalteten uns per Face-Time zusammen

Fünf Tage nach unserem Gespräch mit Reus machen Bayern und Müller die Verlängerung bis 2023 offiziell (wir hatten es da schon seit sechs Tagen vermeldet). Müller wird am Ende der Laufzeit 33 Jahre alt sein. Ein Leben lang einem Verein treu zu bleiben, Müller ist dem Ziel ganz nah.

Anders als Reus ist Müller sogar drauf und dran, Rekordspieler des FC Bayern zu werden. In der ewigen Liste steht Müller derzeit auf Platz sieben mit 521 Pflichtspiel-Einsätzen. Spitzenreiter ist Sepp Maier mit 642 Spielen. Rechnerisch könnte Müller ihn einholen. Ist das aber auch realistisch? Das kann eigentlich nur einer beantworten: Sepp Maier, der Rekordmann.


WhatsApp-Video-Dialog: „Sepp, Du musst mal wieder zum Friseur“ „Ich weiß, aber die haben doch zu! Dafür hättest Du Dich im Homeoffice ruhig mal rasieren können“

Der Weltmeister sitzt auf seiner Terrasse, als ich ihn erreiche. Natürlich hält auch Sepp sich an die Corona-Auflagen. Als er meine Frage hört, muss er lachen. „Ich würde es Thomas wirklich wünschen, dass er gesund bleibt und mich einholt“, sagt Sepp. Und fügt dann schelmisch an: „Dafür muss er aber schon bis – sagen wir mal – 45 spielen.“ Dann folgt Maiers Erklärung.

Maier: „Ich habe den FC Bayern zuletzt schon mal drauf hingewiesen, als er die Rekordeinsatz-Liste druckte: Ich stehe bei 705 Pflichtspielen! Denn meiner Meinung nach, darf man die drei Jahre Regionalliga vor Einführung der Bundesliga 1963 nicht weglassen. Wieso sollten diese Einsätze für den FC Bayern nicht zählen?“


Cyber-Pressekonferenz mit Thomas Müller (Haar und Technik sitzen)

Müller wird in dem Fall wohl kein Rekordspieler, eine Bayern-Legende aber in jedem Fall. Natürlich sprechen wir ihn auf die Reus-Aussage an, als er am Donnerstag seine Cyber-PK gibt.

Müller: „Dass sich Spieler aus der eigenen Jugend durchsetzen und so lange bei einem Top-Verein bleiben, wird für mich immer eine Ausnahme sein und bleiben. Es gab einmal die Ausnahme Barcelona, die bei der Generation Xavi/Iniesta viele Spieler durchgebracht haben. Aber der Anspruch an der Spitze steigt immer mehr, deswegen wird es solche Spieler immer weniger geben.“

Ich hoffe, Marco und Thomas behalten nicht Recht. Das darf nur der Maier Sepp.