Darum gehört Oliver Kahn in den Aufsichtsrat des FC Bayern

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Das Türschild ist so schlicht, dass man es leicht übersieht. Dafür hat es der Name darauf in sich: „Titaneon AG“ – der neue Titan. Eine Agentur entwickelte ihn für Oliver Kahns Büro am Münchner Ostbahnhof. Der alte und neue Titan hat es sich schick in einem Loft eingerichtet, mit Blick auf die Baustelle der neuen Philharmonie. Startup-getreu sitzt Kahn nicht in einem separaten Büro. Der Chef hat seinen Platz an einem der Vierertische, gleichberechtigt mit seinen Mitarbeitern. Auch den Kaffee holt er sich selbst. Hinter dem Vollautomat leuchtet ein Neonröhren-Schriftzug mit „Oliver Kahn Titan“.

Kahn empfängt mich zum Interview für unsere Sport-Bild-Serie des Bundesliga-500er-Klubs (aktuelle Ausgabe). Mit 557 Spielen liegt der ehemalige Torwart in der ewigen Liste auf Platz drei. Wir reden viel über die Entwicklung des Torwartspiels, schräges Training mit Sepp Maier und natürlich Manuel Neuer. Am Ende sprechen wir noch kurz über die aktuelle Lage beim FC Bayern.

Es ist meine letzte Frage, die ich ihm seit Jahren fast schon obligatorisch stelle. Als ich zuletzt bei Uli Hoeneß in der Sache nachhakte, meinte der Bayern-Präsident dazu nur lapidar: „Der mag ja nicht.“ Nichtsdestotrotz frage ich Kahn erneut: Kehrt er doch noch mal in einer führenden Funktion zum FC Bayern zurück? Seine überraschende Antwort: „Das hängt von der Aufgabe ab.“

Es ist das erste Mal, dass Kahn Bereitschaft zeigt, zum Klub zurückzukehren. Wie immer verweist er zwar danach auf seine Auslastung mit seinen Projekten, aber seine Aussage steht und wird von ihm auch später so autorisiert: Es hängt von der Aufgabe ab!

Eine Funktion als Sportdirektor wäre für Kahn ohnehin nie in Frage gekommen. Anders als Hasan Salihamidzic ist der dreifache Welttorhüter schon längst im Management zu Hause, trägt seit 2011 den akademischen Grad „Master of Business Administrator“. Mit seinem Startup „Goalplay“ hat er geschäftlich das erfolgreichste Jahr seit der Gründung hinter sich. Philipp Lahm, der einen Vorstandsposten als Grundbedingung für seinen Einstieg in der Führungsetage des FC Bayern hinterlegte, ist gerade dabei, sich wie Kahn Management-Erfahrung anzueignen. In einer Rolle als Sportvorstand sieht sich Oliver Kahn offenbar jedoch nicht, denn die hätte er schon vor Jahren haben können.

So lange Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in Abstimmung mit Präsident Uli Hoeneß die Tagesgeschäfte beim FC Bayern lenkt, gibt es für Kahn wohl zu wenig Gestaltungsfreiheit, als dass ihn so eine Herausforderung reizen würde. Als Ratgeber, der nur ab und zu seine Erfahrung und Meinung einbringt, wäre Kahn jedoch ideal. Auch um ihn für zukünftige Aufgaben an den Klub zu binden. Es hängt eben von der Aufgabe ab – und die würde ein Sitz im Aufsichtsrat bieten.

Das neunköpfige Gremium tagt nur vier Mal im Jahr. Kahn bliebe also noch genügend Zeit für seine eigenen Projekte. Enorme Bedeutung hätte die Rolle dennoch: Der Aufsichtsrat muss generell allen wichtigen Transfer-Entscheidungen in einem Gesamtpaket über 25 Millionen Euro zustimmen. Kahns Meinung hätte daher großen Einfluss auf die Entwicklung des Klubs und der Mannschaft. Falls Rummenigge und Hoeneß irgendwann beschließen, die Geschicke des Klubs an die nächste Generation zu übergeben, wäre Kahn zudem für eine aktivere Rolle bereits im Thema.

Eine finanzielle Entschädigung für Kahns Einsatz gäbe es obendrauf. Insgesamt bezieht der Aufsichtsrat für seine Dienste 450 000 Euro im Jahr.