Die Rückkehr des Bayern-Patrons

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Es warteten alle schon am Gate G24 auf Flug LH2570 nach Madrid, nur einer fehlte noch. Ganz entspannt schlenderte Uli Hoeneß an den Passagieren vorbei, als wäre er nie weg gewesen. Dabei ist der Halbfinale-Trip nach Spanien erst seine zweite Bayern-Reise nach der Partie bei Benfica Lissabon, seit seiner Haftstrafe. Wir schütteln uns die Hände. „Lange nicht gesehen“, begrüßt er mich mit einem Lächeln, und ich gebe gerne zu, dass ich mich ehrlich freue ihn wieder im Tross des FC Bayern zu sehen. Das letzte Mal als wir gemeinsam am Münchner Flughafen vor einem Auswärtsspiel zum Gate gingen – die Szene sollte damals in den TV-Nachrichten gesendet werden – war das Urteil über Hoeneß noch nicht gefällt. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir darüber sprachen, wie schwierig es sei, sein Schicksal nicht mehr in der Hand zu haben. Darauf warten zu müssen, dass ein anderer über die eigene Zukunft entscheidet. In Hoeneß Fall war das ein Richter. Die Fremdbestimmung muss für den Bayern-Macher, der sein ganzes Leben lang wie kaum ein anderer über seinen Weg bestimmen konnte, eine der schlimmsten Erfahrungen gewesen sein. Damals verabschiedeten wir uns mit dem Versprechen, dass wir am Jahresende unbedingt unser traditionelles Essen abhalten müssten, falls die Geschichte für Hoeneß gut ausgehe. Es kam bekanntlich anders, die Verabredung fiel zwei Jahre in Folge aus.

Anfang Juli will sich Uli Hoeneß mitteilen, ob er in einer Funktion zum FC Bayern zurückkehrt. Es mag Zufall sein, dass dieses Datum auf den Dienstantritt des neuen Trainers Carlo Ancelotti fällt – ich glaube das nicht. Meiner Ansicht nach wird Uli Hoeneß sein Comeback bei dem Klub, der sein Lebenswerk ist, geben. Es dürfte ein großes Comeback werden. Wenn Hoeneß etwas macht, dann auch richtig. Der Mann, der beim FC Bayern bereits Spieler, Manager, Vorstand, Präsident wie Aufsichtsrat war, wird im Klub nicht den Frühstücksdirektor spielen. Einen Präsidenten Hoeneß dürfte es daher nicht ohne Aufsichtsrat-Mandat geben. Dass sein Nachfolger Karl Hopfner bereits angekündigt hat, nicht gegen Hoeneß zu kandieren, zeigt nur, dass sich auch der FC Bayern auf die Rückkehr seines Patrons einstellt. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge brachte es bereits vor der Champions-League-Reise nach Turin auf den Punkt: „Wenn Uli Hoeneß wieder Präsident werden will, dann wird er es auch.“

Es schaut gut aus für unser traditionelles Jahresabschluss-Essen 2016.