Für Deutschland: Come on, England!

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Wie die deutsche Nationalmannschaft saß auch ich auf dem Rückflug aus Russland im Mannschaftsflieger, verfolge nun die Weltmeisterschaft vor dem Fernseher. Das Turnier beschäftigt mich natürlich weiter. Ich gestehe ganz offen: Nach dem deutschen Aus drücke ich England die Daumen!

Die Wembley-Helden von 1966 integriert in einem Beatles-Cover. Ganz ehrlich: Hätte Deutschland gewonnen, wären Beckenbauer & Co auf einer Peter-Alexander-Scheibe nicht ganz so cool rüber gekommen… Die Wembley-Helden von 1966 integriert in einem Beatles-Cover. Ganz ehrlich: Hätte Deutschland gewonnen, wären Beckenbauer & Co auf einer Peter-Alexander-Scheibe nicht ganz so cool rübergekommen…

Das englische Viertelfinale gegen Schweden werde ich dennoch ein wenig mit gemischten Gefühlen verfolgen. Denn: Hätte Deutschland – wie nicht nur von mir erwartet – seine WM-Gruppe F gewonnen, würde ich wohl am Samstag auf der Tribüne der Kosmos Arena in Samara sitzen: beim Klassiker „Deutschland gegen England“.

(Ein Sorry in die Schweiz… Euch hatte ich im Achtelfinale auch im Fall der DFB-Beteiligung als unterlegenes Team erwartet).

Immerhin kann ich mich nun auf das Mutterland des Fußballs konzentrieren und mich über Harry-Kane-Tore freuen. Zuletzt las ich beim Frühstück in BILD die Experten-Einschätzung von Liverpool-Legende Didi Hamann: „Wenn die Engländer im Achtelfinale Kolumbien schlagen, kommen sie auch ins Finale.“ Die „Three Lions“ schlugen Falcao und Co nicht nur, sie besiegten auch ihren Elfmeterfluch (Ein Sorry nun nach England: Das wäre gegen Deutschland mit Sicherheit nicht passiert… 😉.

Ich griff sofort zum Handy, schrieb Hamann: „Was sagst Du nun zu England???“ Zwei Minuten später kam schon die Antwort von Didi: „Kommen ins Finale, können da jeden schlagen, außer es geht gegen Brasilien, was ich glaube“.

Didi traf damit genau auch meine mich bedrückenden Gedanken: Allein Brasilien könnte aus dem Turnier der großen Überraschungen mit seinem dann sechsten Titel nach 1958, 1962, 1970, 1994, 2002 (Rekord!) eine gewöhnliche WM machen… Dabei wäre doch Deutschland seit seinem vierten Titelgewinn 2014 wieder so nah dran an der Selecao. Das ist ein weiterer Grund als Deutscher nun England-Fan zu sein! Also: Come on, England!

Im Anflug: Didi is coming home – und ich darf ihn in seine Zweit-Heimat begleiten Im Anflug: Didi is coming home – und ich darf ihn in seine Zweit-Heimat begleiten

Didi und ich haben schon geahnt, dass England in diesem Turnier eine große Rolle spielen würde. Deshalb flogen wir vor der WM gemeinsam auf die Insel, dann weiter rund zweieinhalb Autostunden nördlich von London: für einen Besuch im St. George’s Park, dem englischen Trainingszentrum!

Diese Bilder zeigte Sky-Experte Hamann in einer Sendung Diese Bilder zeigte Sky-Experte Hamann in seiner Sendung

Die Einleitung für die Reportage, die bereits in SPORT BILD erschien, lautete so:

Hinter der Rezeption laufen auf zwei riesigen Bildschirmen in einer Endlosschleife Highlights großer Länderspiele der englischen Nationalelf. Vom Geländer des ersten Stocks prangt der Slogan herab: „Together for England!“ („Zusammen für England“). Auf jeder Glastür klebt das Wappen der „Three Lions“. Und in einer Vitrine steht das berühmte Cover des legendären „Sgt. Pepper“-Album der Beatles, nur dass die Köpfe der 66er-Weltmeister-Helden um Kapitän Sir Bobby Moore hinein retuschiert sind.

Willkommen im St. George‘s Park, dem Herz des englischen Fußball-Verbands!

Die Football Association (FA) öffnet für SPORT BILD ihre Pforten. Als Vertreter des viermaligen Weltmeisters Deutschland ist der langjährige England-Legionär Didi Hamann (44) miteingeflogen…

Die Reportage in SPORT BILD Die Reportage in SPORT BILD

Die FA bereitete uns in der Tat einen herzlichen Empfang. Andy Walker, der Kommunikations-Manager des Verbands, stellte eigens für uns eine exklusive Tour durch den St. George‘s Park zusammen. Wir trafen dafür Dan Ashworth, Technischer Direktor und Leiter des St. George‘s Park, U-17-Trainer Steve Cooper (aktueller Weltmeister) und General-Managerin Holly Murdoch. Ein Gelände über 130 Hektar, 12 Rasenplätze, Fußball-Halle, Fitness-Räume, Spa, Kantine, Kabinen – sie zeigten uns einfach alles!

Dietmar Hamann Burton upon Trent, 15.01.2018, Fussball England, FA, Besuch im St George's Park National Football Centre Holy zeigt Didi (r.) und mir die Fußball-Halle. Der Platz hat die gleichen Maßen wie der Wembley-Rasen
Dietmar Hamann Burton upon Trent, 15.01.2018, Fussball England, FA, Besuch im St George's Park National Football Centre Steve (Mitte) erklärt uns, wie der Verband seine Talente wie BVB-Profi Sancho fördert

In der Lobby des Komplexes, das die FA gemeinsam mit der Kette Hilton betreibt, sind übrigens die Trophäen der jüngsten englischen Triumphe ausgestellt. Die Jugendmannschaften der U 17 und U 20 holten 2017 den WM-Titel, die englische U 19 wurde Europameister.

Vor dem Viertelfinale schrieb ich nun noch mal Andy Walker an, wünschte ihm für den restlichen Turnierverlauf in Russland viel Glück. Dabei merkte ich an, dass Didi und ich sie bald wieder besuchen wollen, denn vielleicht stehe dann ja ein neuer Pokal in der Vitrine – in Gold. Andy schickte zwei gekreuzte Finger zurück. England hofft auf den ersten Titelgewinn seit 1966 (den damaligen Finalgegner habe ich gerade vergessen…), wirklich daran zu glauben, trauen sie sich noch nicht.

Diese Titel gewann England zuletzt mit den Jugendmannschaften Diese Titel gewann England zuletzt mit den Jugendmannschaften

Ich erinnere mich noch gut an die Worte zur Begrüßung von St.George’s-Park-Chef Ashworth an uns: „Wieso besucht ihr uns? Wir können doch wenn dann von Euch lernen. Ihr seid doch die Weltmeister!“

Nicht mehr lange…

Das Modell des St. George's Park Das Modell des St. George’s Park