Hinter der Kino-Kulisse von Kroos

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Das VIP-Shuttle der Lufthansa erwartet uns auf der Landebahn vom Berliner Flughafen Tegel. So reisen also Fußball-Stars. Während die anderen Passagiere mit dem Bus Richtung Gate gebracht werden, rollen wir direkt über die Startbahn. Immer wieder ein kurzer Stopp. Kein rechts vor links, Flugzeuge haben hier Vorfahrt. Unterhalb des Terminals wechseln wir die Wagen. Auf den Seitentüren der warteten Limousinen steht: „KROOS – Ab 4. Juli im Kino.“

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Ich darf Toni Kroos von Köln nach Berlin begleiten, wo er unsere Haupt-Redaktion von BILD besucht. Am Vortag sahen wir zusammen die Premiere seines Kino-Films in Köln. Am Morgen danach ist auch sein Söhnchen Leon mit an Board. Es ist rührend zu sehen, wie liebevoll sich Toni um seine Kinder kümmert (er hat drei: Leon wird sechs. Amelie ist drei. Fin ist gerade zwölf Wochen alt). „Leon, lass jemanden voran gehen“, ruft Toni, bevor wir die Maschine über die Treppe verlassen. „Nicht, dass du auf den Stufen stolperst.“ Seine Familie steht bei allem was Toni Kroos macht an Nummer 1. Selbst als er darüber nachdachte, nach dem WM-Aus 2018 aus der Nationalmannschaft zurückzutreten, waren es seine Frau Jessica („So darfst du das nicht beenden“) und sein Sohn Leon (er wollte seinen Papa weiter für Deutschland spielen sehen), die Kroos vom Weitermachen überzeugten. Im Film wie auch im richtigen Leben spielt seine Familie bei Kroos die entscheidende Rolle. Für mich ist die Familien-Konstellation der interessanteste Aspekt in seiner Film-Dokumentation.

Es gibt darin eine Szene, in der Kroos über seinen Vater spricht. Roland Kroos hat ihn als Fußballer gefördert, lange auch als sein Trainer begleitet. Toni sagt dazu im Film, es sei sicher auch im Vater-Sohn-Verhältnis etwas auf der Strecke geblieben. Ein Satz, der nachdenklich macht. Die Frage, wie sehr Eltern ihre Kinder für den Leistungssport begeistern und antreiben müssen, hinterfragt im Film auch sein Vater Roland. Manchmal habe er übertrieben, gesteht Roland Kroos sich selbst in der Doku ein.

Ich konnte den Film schon vor der Premiere sehen. Per personalisiertem Link bekam ich den Zugang dazu. Tonis Eltern sahen den Streifen allerdings erstmals im Kino in Köln. Ich frage mich: Wie haben Sie sich gefühlt, als Toni die Problematik seine Fußball-geprägte Kindheit ansprach? Sein Bruder Felix (spielt für Union Berlin kommende Saison in der Bundesliga) erzählt in dem Film, dass die Brüder zu Hause nie gelernt haben, über ihre Gefühle zu sprechen. Genau diese Offenheit macht den Film aus. „Ich wollte, dass mehr Privates im Film vorkommt“, erzählte uns Toni bei seinem Redaktionsbesuch. „Das ist doch das, was die Leute sehen wollen.“ Damit hat er wohl auch recht. Auf dem roten Sofa in der BILD-Redaktion fragt ihn eine meiner Kolleginnen: „Haben Sie Ihre Eltern gehasst?“ Tonis Antwort: „Gehasst ist das falsche Wort. Aber natürlich war es ab und zu schon mal viel zu viel. Das Ergebnis kann sich dann sehen lassen. Und das war definitiv auch die Grundlage. Zum ganz großen Teil bin ich daher dankbar. In diesem Umfang hätte ich das von mir aus sicher nicht gemacht. Aber in gewissen Momenten war das schon nervig, da bin ich ehrlich.“

Nein, Toni Kroos hat seine Eltern sicher nie gehasst. Sowohl seine Mutter, die sich lange noch nach dem Film mit Tonis Lieblingstrainer Jupp Heynckes ausgetauscht hat, wie auch sein Vater wirken sehr geerdet und sympathisch. Die heimlichen Stars des Films sind für mich sowieso seine Großeltern, die ebenfalls in dem Streifen zu Wort kommen (Toni: „Über sie sollte man als Fortsetzung einen eigenen Film machen“). Was die Doku für mich so interessant macht, ist ihre Ehrlichkeit, auch die kritischen Dinge in der Entwicklung eines großen Talents zu einem Fußballstar anzusprechen. Toni Kroos hat dem Regisseur freie Hand gelassen, damit das Endprodukt authentisch wird. „Es war ja nicht meine Idee, einen Kino-Film zu machen“, sagt Toni dazu in seiner trockenen Art.

Toni im Interview mit unserem Film-Experten "Körzi" alias Blieswood
Toni im Interview mit unserem Film-Experten „Körzi“ alias Blieswood

Kroos schätzt das, was seine Familie für ihn gemacht hat (seine Mutter erzählt, dass sie am Esstisch weinte, weil ihr 16-jähriger Sohn ins Bayern-Internat umgezogen war). Dennoch handhabt er selbst sein Familie-Leben komplett anders. Er ermöglicht alles, um bei seinen Liebsten zu sein. „Jede Sekunde mit meiner Frau und den Kindern ist mir wichtig“, betont Kroos. Selbst Learjets bucht er, um schneller nach Länderspielen nach Hause zu kommen. „Reisen mit dem Privatflieger sind ein Luxus, den ich mir gönne“, sagt er. Dabei hat Toni eine Richtlinie. „Ich habe übrigens eine Vorgabe von meiner Frau: dass die gebuchten Maschinen nicht zu alt sind. Einfach aus Sicherheitsgründen“, verrät mir Toni. „Weil sie sonst ein blödes Gefühl hat, dass was passieren könnte.

Kroos mag kein Fußballstar sein, der auf den Rasen mit Emotionen auffällt. Diese lebt er bei seiner Familie aus.

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