Ich singe mit Mané Mané!

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Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Als Sportreporter erlebt man Dinge, die mit der Jobbeschreibung an sich nichts zu tun haben. Lukas Podolski warf mich vor der WM 2014 in den Hotelpool der Mannschaft, Franck Ribéry goss mir vom Dach des FC Bayern-Trainingszentrum einen Eimer Wasser über den Kopf, Sammy Kuffour verpasste mir nach einer Meisterschaft die legendäre Weißbier-Dusche. Solche Momente erinnern einen immer wieder daran, dass man im Fußball alles nicht so ernst nehmen darf und auch mal über sich selbst lachen sollte. Und manchmal muss man dafür über seine eigene Hemmschwelle springen. In meinem Fall ist die größte: Singen. Ich singe schlecht, richtig schlecht. Aus eben diesem Grund wollte ich genau dazu überwinden – beim FC Liverpool.

Das legendäre Trainingsgelände Melwood muss bald den Modernisierungen weichen. Schade
Das legendäre Trainingsgelände Melwood muss bald den Modernisierungen weichen. Schade

Seit diesem Sommer wirbelt bei den Reds unter Leitung von Jürgen Klopp ein magisches Dreieck mit Neuzugang Mohamed Salah, Ex-Hoffenheim-Spieler Roberto Firmino und: Sadio Mané. Der Senegalese fasziniert mich dabei ganz besonders, weil er einen der ungewöhnlichsten Karriere-Wege hinter sich hat, die es derzeit im modernen Profi-Fußball gibt. Mit 17 Jahren, einem Alter, in dem andere bereits in ihrer Nationalmannschaft debütieren, hörte er erstmals von Taktik oder Spielsystemen. Ohne fußballerische Ausbildung schaffte er es aus Afrika in den Kreis der besten Kicker der Champions League. Darüber spreche ich mit ihm im Interview für SPORT BILD.

Aber auch ein weiterer Aspekt interessiert mich an ihm: Ein Song, der im Internet bereits ein Hit ist.

Mané Mané – der Original-Song auf youtube

„I am Corks biggest Liverpool-Fan“. Mit diesen Worten startet Kevin Murphy sein YouTube-Video, das bereits 3,1 Millionen mal geklickt wurde. Zur Melodie des Archies-Klassiker „Sugar, Sugar“ singt der Reds-Anhänger: „Salah DO DO DO DO DO DO! Mané Mané! And Bobby Firmino!“ Zunächst dachte ich Murphy sei tatsächlich der irische Fan aus Cork, für den er sich ausgibt. Bald musste ich jedoch feststellen, dass er nur eine Kunstfigur des Stand-Up-Comedian Richy Sheehy ist. Der Euphorie um sein Lied tat es weder bei mir noch bei den Liverpool-Anhängern einen Abbruch. Selbst als ich das Champions-League-Spiel gegen den FC Porto an der Anfield Road besuchte, singt es die legendäre Fankurve „The Kop“.

Fotograf Paul zeigt Mané, wohin er die Taktik des Magischen Dreiecks aufmalen soll
Fotograf Paul zeigt Mané, wohin er die Taktik des Magischen Dreiecks aufmalen soll

Am Tag darauf habe ich meinen Termin im Trainingszentrum Melwood. Die Atmosphäre ist nach dem erreichten Viertelfinale entspannt. Innenverteidiger Dejan Lovren läuft sockig im Eingangsbereich auf und ab, sein Abwehrpartner Joel Matip holt sich gerade seine Post an der Rezeption. Der Ex-Schalker gibt mir freundlich die Hand und lächelt bei meinem deutschen „Hallo!“ Kurz darauf startet mein Interview.

Sadio wirkt zierlicher, als ich ihn mir vorgestellt habe. Als erstes fällt mir sein nahezu schüchternes Lächeln auf. Der Mann hat laut transfermarkt.de einen Wert von 60 Millionen Euro, aber er spricht bescheiden über sich. Er ist mir ab dem ersten Moment sympathisch. Rund eine halbe Stunde sitzen wir zusammen, in der wir über Jürgen Klopp, die Liverpooler Champions-League-Chancen, das magische Dreieck und seinen bewegenden Karriere-Weg sprechen. „Das war‘s, mit dem Interview wären wir fertig“, sage ich zu Sadio und frage mich, ob ich das nun wirklich durchziehe. Zuvor haben wir schon über das Mané-Mané-Video gesprochen, daher weiß ich zumindest, dass Sadio es kennt und ganz gut findet. Also lasse ich es einfach mal drauf ankommen.

Der 442oons-Song Mané Mané

„Ich habe eine verrückte Idee, bei der ich nicht sicher bin, ob sie dir gefällt“, setze ich an und greife entschlossen zu der Rassel, die ich mir bei meiner siebenjährigen Tochter ausgeliehen habe und mit einem SPORT BILD-Logo beklebt habe, damit das Spielzeug wenigstens semi-offiziell aussieht.

Da ist das Ding! Liverpool gewann die Champions League 2005. Wie der FC Bayern sind sie noch im Rennen
Da ist das Ding! An der Rezeption von Melwood steht der Königsklassen-Pott. Liverpool gewann die Champions League 2005. Wie der FC Bayern sind sie noch im Rennen

Dann eröffne ich ihm meinen Vorschlag: „Wenn ich denn Mané-Mané-Song singe, machst Du dann auch mit?“ Sadio klopft sich auf seine 60-Millionen-Euro-Schenkel, schüttelt lachend den Kopf und sagt dann cool: „Für mich ist das okay, lass es uns machen!“ Im nächsten Moment hat er die Rassel in der Hand, ich mein IPhone, das bei einem 442oons-Video zum Mané-Mané-Song nicht nur die Musik abspielt, sondern wie beim Karaoke auch den Text passend zum Rhythmus mitlaufen lässt. Und wir machen es tatsächlich. Sadio Mané, der Topstürmer des FC Liverpool und ich singen:

„Salah DO DO DO DO DO DO! Mané Mané!”

Ich bin sicher, dass im Internet viele über meine Gesangskünste lachen werden. Was soll’s! Ich habe mich überwunden, und vor der Kamera mit Mané gesungen. DO DO DO DO DO DO!

Überstanden: Sadio und ich klatschen nach der Performance ab
Überstanden: Sadio und ich klatschen nach der Performance ab