König Franck sagt Servus!

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Beladen wie Packesel verlassen wir die Geschäftsstelle des FC Bayern, als uns Javi Martinez auf dem Fußgängerweg entgegen schlendert. Der spanische Weltmeister blickt interessiert auf meine Tüte, aus der ein Hermelin-Mantel heraus spitzt. Statt die Szene aufzulösen, frage ich ihn: „Javi, würdest Du gerne mal ein König sein?“

 

Martinez scheint nicht verwundert, dass wir eine komplette royale Montur mit uns tragen, entgegnet trocken: „König war ich schon mal. In Spanien, als einer der heiligen drei Könige. Der mit dem roten Bart.“ Dank Google erfahre ich: In Spanien wird so Casper dargestellt.“ Javi stellt eine Gegenfrage: „Wo wart Ihr denn heute eigentlich beim Training?“

 

Wo wir waren? Wir mussten uns vorbereiten: für den Termin bei König Franck!

 

Zuvor hat Franck Ribéry noch eine Pressekonferenz. „Männer, noch mal Dankeschön!“ verabschiedete er sich von den Journalisten im Raum. Es sei zwar in seinen zwölf Jahren bei Bayern nicht immer einfach mit uns allen gewesen, aber auch vieles positiv. Ribéry philosophiert dazu: „Das ist Fußball, das ist Leben.“

Dann kommt er zum Termin zu uns.

Franck Hält die Titelgeschichte in Händen, die ich am 8. August 2007 über ihn geschrieben habe. Darin prophezeit Lothar Matthäus bereits vor zwölf Jahren: Franck Hält die Titelgeschichte in Händen, die ich am 8. August 2007 über ihn geschrieben habe. Darin prophezeit Lothar Matthäus bereits vor zwölf Jahren: „Er wird der neue König“

Franck lacht bereits, als er den Besprechungsraum betritt: „Was habt Ihr Euch nur diesmal wieder ausgedacht?“ Als der Franzose 2007 zum FC Bayern wechselte, zog ich ihm in einem extra-gebuchten Hotel-Zimmer des „Kempinski Vierjahreszeiten“ seine erste Lederhose an. Im Laufe seiner zwölf Spielzeiten streifte er bei unseren gemeinsamen Foto-Shootings Kostüme u.a. als Musketier und Napoleon über. Für sein großes Abschiedsinterview kleideten wir Franck mit der Garderobe von Bayern-König Ludwig II ein. So, wie er im August 2007 auf einem 250 Quadratmeter großen Plakat in der Münchner Innenstadt zu sehen war. Mein Kollege Tobi Altschäffl hilft Franck in die blaue Uniform, ich ihm in den Hermelin-Mantel. Fertig ist König Franck. Seine ersten königlichen Worte: „Ganz schön warm!“

Foto: Nadine Rupp Foto: Nadine Rupp

Nach gut 10 Minuten hat unsere Fotografin Nadine Rupp die Bilder im Kasten. Sie lässt Ribéry ganz schön brüllen, um den richtigen Gesichtsausdruck von der Vorlage zu bewirken. Sein Schrei tönt zur Verwunderung vieler Mitarbeiter über die Gänge der Geschäftsstelle.

Rund 45 Minuten Zeit sitzen wir anschließend für unser Interview zusammen, gehen Frage für Frage in seiner Karriere zurück. Die Scherze dürfen dabei nicht fehlen. Meine persönliche Top3:

 

  • Mit Daniel van Buyten schüttete Franck einen Eimer Wasser vom Dach der Umkleidekabine auf den geraden frisch geduschten Oliver Kahn (samt Gucci-Täschchen). Vorher erwischte es mich. Ich will endlich wissen: Warum ausgerechnet ich? Ribéry: „Du warst sozusagen die Test-Person…“
  • Dubai, Trainingslager: Ribéry setzt sich ans Steuer des Mannschaftsbusses, baut einen Unfall. Mitspieler zittern anschließend vor Schreck. Franck erinnert sich: „Mark van Bommel hat fast geweint vor Lachen“ (auch mich foppte er erneut: Vor dem Rückflug klaute mir Ribéry mein Ticket aus der Hosentasche. Erst kurz vor Schließung des Gates gab er es mir zurück, nachdem er genüsslich zugesehen hatte, wie ich die Stewardess erfolglos anflehte, mich mitzunehmen)
  • Dubai, wieder Trainingslager: Beim Besuch des Privat-Zoos des Scheichs bricht ein Gepard aus. Ribéry versteckt sich mit van Buyten in einer Kammer – bis er den Belgier vor die Tür schubst und sie hinter ihm verriegelt. Ob das nicht gefährlich war? Franck: „Gefährlich? Lebensgefährlich!“ Dann schüttelt er sich vor Lachen

 

Nach dem Termin plaudern wir noch auf der Straße mit Bayerns Physio-Legende Fredi Binder, als Ribéry erneut um die Ecke biegt. Franck freut sich Binder nach langer Zeit wieder mal zu sehen, umarmt ihn herzlich. Dann fragt er uns: „Wisst Ihr, was der mit mir gemacht hat?“ Natürlich geht es um einen Scherz.

 

Die Vorgeschichte: Ribéry und van Buyten hatten Binder und einen Physio-Kollegen nach dem Training in den Kabinen-Whirlpool geworfen. Die Rache ließ nicht lange auf sich warten. „Daniel und ich hatten für die Meisterfeier unsere Lederhosen angezogen. Erst Auto-Korso, dann Rathaus-Balkon. Uns beiden wurde immer heißer und heißer in der Lederhose“, erzählt Ribéry. „Ich fragte Daniel: Was ist bloß los? Ich halte es nicht mehr aus!“

 

Das war passiert: Die Pyhsios hatten die Lederhosen der beiden Profis mit einer speziellen Salbe präpariert. Sie sorgte für ordentliche Temperatur in der Tracht. „Dieser …“, flucht Franck über Binder, um ihm anschließend um den Hals zu fallen. Ribéry resümiert: „Das waren schöne Zeiten!“

 

Ja, Franck, das waren sie! Auch wenn nicht immer einfach …

Das große Abschieds-Interview mit Franck Ribéry, über seine spezielle Beziehung zu Uli Hoeneß, seine schwierigen und schönsten Phasen beim FC Bayern, lest Ihr in der aktuellen Ausgabe von SPORT BILD.

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