Nach 17 Jahren: Wiedersehen mit Niko Kovac

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Die Tür des Presse-Raums an der Säbener Straße geht auf, und Niko Kovac betritt den Raum auf dem Weg zum Podium. „Guten Morgen!“, begrüßt er die anwesenden Journalisten, die darauf verhaltenes Kichern. Kovac blickt auf die Uhr, es ist 12 Uhr Mittag. „Naja, nicht ganz“, schmunzelt der Bayern-Trainer über seinen kleinen Fauxpas und fügt erklärend an. „Ich bin aber auch schon eine Weile da…“ Für mich persönlich heißt es im Fall Kovac: Er ist wieder da!

Es ist ein seltsames Gefühl: Meine erste Spieler-Generation, die ich als Jungreporter beim FC Bayern begleiten durfte, kommt nun in Führungspositionen an die Säbener Straße zurück. Hasan Salihamidzic, gerade mal acht Monate älter als ich, ist bereits in seiner zweiten Saison Sportdirektor. Niko Kovac begrüßte ich 2001 in München und verabschiedete ihn 2003 nach Berlin zur Hertha. Nun, fast zwei Jahrzehnte später, ist er mein Ansprechpartner als Trainer.

Als Brazzo und Niko noch Spieler waren, konnte ich sie noch für Interviews ansprechen, wenn sie vom Trainingsplatz kamen. Die acht, zehn Meter zur Kabine gingen wir oft zusammen. Falls es mehr Fragen waren, verabredete man sich einfach auf dem Spieler-Parkplatz, der direkt neben dem Trainingsgebäude lag. Heute können die Spieler unbefragt in den Kabinentrakt gehen. Der Weg dahin ist bereits seit gut zehn Jahren abgesperrt (eine Idee von Jürgen Klinsmann). Sogar ein Sichtschutz wurde aufgebaut. Auch den Spielerparkplatz gibt es längst nicht mehr. Die Profis können von der Kabine aus direkt in die Tiefgarage entschwinden, rollen von dort aus direkt nach Hause.

Wie hat sich aber Niko Kovac seit damals verändert?

Erstmals seit seinem Amtsantritt sitze ich Niko Anfang August in einem Lounge-Zimmer des 5-Sterne-Hotels „Überfahrt“ im Trainingslager am Tegernsee gegenüber. Niko kommt direkt vom Frühstück, er hat unseren Termin vorverlegt. Auch wenn ihm das nach einer kurzen Nacht (am Abend zuvor war ein Testspiel) sicher nicht leichtgefallen sein dürfte. „Schön, dass Du wieder da bist“, begrüße ich ihn und danke für den Frühtermin, der uns den Arbeitstag ebenfalls erleichtert. Manchmal, sagt Niko, müsse man eben in den sauren Apfel beißen. Ein Scherz.

Niko und ich beim Interview im Trainingslager am Tegernsee Niko und ich beim Interview im Trainingslager am Tegernsee

Die erste Frage stellt er darauf mir: „Wie geht es Deinem Kollegen Tobi? Er sah am Ende unserer US-Reise wirklich krank aus…“ Das ist ganz typisch Niko Kovac. Er nimmt die Menschen um ihn rum nicht nur wahr, sondern beschäftigt sich auch mit ihnen. Ich versichere ihm, dass es Tobias Altschäffl wieder gut gehe. Wir tauschen uns darauf ein wenig über seine Spielerzeit aus, bei Bayern, aber auch bei der Hertha. Dann ergreift Niko die Initiative, gibt Kollege David Verhoff und mir das Stichwort: „Legen wir los, Ihr beiden Hübschen!“ Den Lacher hat er auf seiner Seite. Eine lockere Atmosphäre ist für alle Seiten eine gute Gesprächsbasis. Wir sitzen exakt 38 Minuten zusammen. Dann muss er zur Mannschaft. Es stehe viel auf dem Programm. Zudem sei sein Motto „Carpe diem! Nutze den Tag!“

Mein Kollege Tobi (Mitte) und ich fliegen unseren Mein Kollege Tobi (Mitte) und ich fliegen unseren „Trainer des Jahres“ Niko Kovac im Learjet nach Hamburg zum SPORT BILD Award ein

Ich nutze sogar die nächsten Tage und verabschiede mich in den Urlaub. Es wird drei Wochen dauern, bis ich Niko wiedersehe. Dann aber für einen ganz besonderen Termin: SPORT BILD ehrt Niko Kovac mit dem Award „Trainer des Jahres“. Für den Trip nach Hamburg fliegen wir den Bayern-Coach im Learjet ein. Die Maschine ist für sieben Passagiere ausgelegt, auf 10 000 Höhenmetern ist man mal wirklich eng beisammen und unter sich. Das gilt auch für die Gespräche, weshalb ich ausnahmsweise mal nichts zu verraten will. Nur so viel: Niko ist ein heimlicher Experte in Sachen Luftfahrt…

Niko Kovac im Preisträger-Bereich mit seiner Auszeichnung Niko Kovac im Preisträger-Bereich mit seiner Auszeichnung

Erneut knapp drei Wochen später laufe ich Niko einfach so in die Arme. Spontan hatte ich entschieden, zwischen zwei Terminen zum Spiel der Bayern-Amateure gegen Bayreuth ins Grünwalder Stadion zu gehen. Der Bayern-Trainer hatte wohl eine ähnliche Idee. Er muss schon lachen, als er mich aus zehn Metern erblickt. Ich frage mich im ersten Moment, ob er sich inzwischen nicht schon von mir verfolgt fühlt. Doch seine Begrüßung ist herzlich. Im Stadion sitzen wir in der gleichen Reihe, keine zehn Plätze voneinander entfernt. Assistent Peter Hermann wie Jugendchef Jochen Sauer sind ebenfalls gekommen, das Trio tauscht sich eifrig über die Jugendkicker aus. Niko Kovac findet es wichtig, auch die Jugendspiele ernst zu nehmen. Er ist ein Arbeiterkind, weiß, wo er herkommt. Die Chance, die ihm gegeben wurde, will er auch anderen Talenten geben. Deshalb ist er am Mittwochabend hier und nicht zu Hause auf der Couch.

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Interview, Award oder Amateur-Kick – mein Eindruck von Niko war jedes Mal derselbe: Auch, wenn er nun Trainer des größten und erfolgreichsten Klubs Deutschlands ist, hat er sich in den Jahren nicht verändert. Er sieht sich in erster Linie als Mensch, nicht als Star. Darum appelliert er schon mal an uns Reporter: „Ich bin ein ganz normaler Kerl, macht also bitte keine großen Storys über mich, schreibt lieber über die Spieler.“

Diesen Gefallen werden wir Niko beim besten Willen trotzdem nicht machen können. Hey, der Mann ist jetzt Trainer des FC Bayern!

In der aktuellen Ausgabe von SPORT BILD (ab Dienstag, 2. Oktober am Kiosk) lest Ihr unseren Inside-Report zu Niko Kovacs erster Mini-Krise.