Ois Chicago bei Basti Schweinsteiger!

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Bastian Schweinsteiger und ich erlebten – er als Fußball-Star, ich als berichtender Reporter – zusammen großartige Erfolge (Triple-Sieger 2013, Weltmeister 2014) wie auch stürmische Zeiten (Chefchen-Affäre). Umso schöner ist es, wenn man sich nach einer 17-jährigen Reporter-Fußball-Star-Beziehung beim Wiedersehen die Hand geben kann und einander ein wissendes Lächeln schenkt. Genau so, wie Basti und ich vergangene Woche in Chicago. Auf der Rooftop-Terrasse des Virgin-Hotels trafen wir uns für das erste gemeinsame Interview seit vielen Jahren.

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Bastis spitzbübisches Lächeln ist immer noch das gleiche, seine Haare sind inzwischen ergraut. Selbst in Chicago kann man sich in Begleitung mit Schweinsteiger nicht komplett anonym bewegen. Bereits im Fahrstuhl kreischt eine Asiatin, als sie ihn erkennt. Für ein Selfie fährt sie mit uns noch mal die 26 Stockwerke eine Extra-Runde. „Ich hätte nie gedacht, das zu erleben“, flüstert sie fast unhörbar ehrfürchtig. Oben auf der Terrasse ist es ein Südländer, der Schweinsteiger einfach umarmt. Ein US-Amerikaner ist sich dagegen nicht ganz sicher. Er hält Basti seinen Handy-Bildschirm entgegen, das den Profi im Trikot seines MSL-Arbeitgebers zeigt. „Sind Sie Bastian Schweinsteiger von Chicago Fire?“, fragt er den Weltmeister. Basti schüttelt verlegen den Kopf, erwidert: Nein, nein, der junge Mann auf dem Bild sehe doch viel besser aus als er. Etwas irritiert legt der Fan sein IPhone weg, das schicke Outfit seines Gegenübers verunsichert ihn offenbar.

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Bevor wir das Interview starten, frage ich Basti: Macht er in den Staaten solche Scherze öfter?

Daraufhin erzählt mir Schweinsteiger seinen Lieblings-Prank. Anders als einst beim FC Bayern fliegt seine Mannschaft Chicago Fire nicht im Privat-Jet, sondern ganz normal per Linie zu den Auswärtsspielen. Die Kicker sitzen in ihren Trainingsanzügen zwischen den anderen Passagieren. Im Land des American Football, Baseball, Eishockey und Basketball werden Soccer-Mannschaften offenbar eher selten erkannt. Aufgrund der Trainingsanzüge wird schon mal nachgefragt, wer sie nun seien. Schweinsteiger erklärt es dann den Mitreisenden gerne. Nur: Ein entscheidendes Detail verändert er. Er gibt sich als Trainer der Mannschaft aus. Bei Selfie wünschen würde er dann als Coach lieber seinem Team den Platz auf den Fotos überlassen, weil die Spieler ja die eigentlichen Stars seien.

Basti muss selbst lachen, dass er damit oft durchkommt, schließlich ist er gerade mal 34 Jahre alt. Warum das so ist, ahnt er bereits selbst: Schuld sind seine grauen Haare. Sogar mit Arsene Wenger wurde er schon einmal verwechselt (die Anekdote steht im aktuellen Interview in SPORT BILD).

Für unser Fotoshooting gehen wir aufs Dach vor die Skyline von Chicago. Anschließend fahren wir noch mal die 26. Stock runter, zu Aufnahmen auf der Straße mit der legendären Hoch- wie U-Bahn, der „Chicago Elevated“ mit ihren silbernen Waggons.

Fotos: Mike Dinovo Fotos: Mike Dinovo

Bastian erzählt noch eine Geschichte. Einmal habe er Franz Beckenbauer auf einen Champions-Legue-Flug gefragt, was für ihn das Beste in seiner Fußballer-Zeit gewesen sei. Der Kaiser antwortete: „Die schönste Zeit, das war die Zeit in den USA.“ Beckenbauer spielte in seinem zweiten Fußballer-Leben bei New York Kosmos. Schweinsteiger meint, diese Erfahrung hätte ihn in seiner Entscheidung beeinflusst. Und: Er könne Beckenbauer nun nachfühlen.

Man könnte auch sagen: Für Schweinsteiger ist in seinem zweiten Fußball-Leben einfach „Ois Chicago“!

 

Bastian Schweinsteiger beim Interview im Virgin Hotel Bastian Schweinsteiger beim Interview im Virgin Hotel