Quo vadis, Pep?

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Schon jetzt wird Pep Guardiola für seine Äußerung verspottet, dass er auch wegen neuen Restaurant-Erfahrungen nach England gehen will. Die Kommentare beziehen sich dabei auf Manchester, wo sein neuer Klub mit City vermutet wird. Tatsächlich sprechen viele Anzeichen für einen Wechsel zu den Citizens. Den Vorstandsvorsitzenden des Vereins Ferran Soriano sowie Sportdirektor Txiki Begiristain kennt Pep aus seiner Zeit beim FC Barcelona. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will bereits im Oktober erfahren haben, dass Guardiola City sein Ja-Wort gegeben hat.

Peps Wahl wäre schlüssig, allerdings sehr schade. Denn wenn Pep sich treu bleibt, müsste er eine andere Wahl treffen.

Guardiola wich Fragen nach seinem neuen Klub gezielt aus. Als aber Manchester City angesprochen wurde, verneinte er auch nicht konsequent. Auf die Feststellung eines Kollegens, dass Manchester keine schöne Stadt sei, antworte Pep, dass es ihm mehr um die Menschen einer Stadt gehen würde. Auch das spräche für City. Allerdings hat Guardiola auch bei United und Arsenal zwei liebgewonnene alte Bekannte.

Im Frühjahr war ich zu Gast bei Xavier Sala-i-Martin (Beitragsbild), ein Pep-Vertrauter und ehemaliger Schatzmeister des FC Barcelona. Sala-i-Martin war der Mann, der Guardiola nach New York holte. Der Professor der Columbia University organisierte Pep die Wohnung, lud ihn zu Vorträgen ein. Auf Xaviers Terrasse seiner Ferienwohnung in Barcelona sprachen wir über Guardiolas Vorlieben für Traditionsklubs.

Sala-i-Martin erzählte aus einem Gespräch mit Pep in dessen Sabbatjahr, dass sich sein Freund nicht vorstellen konnte, einen Klub wie City zu trainieren. Wenn Manchester, dann United. Alex Ferguson habe Guardiola bereits versucht, ihn als seinen Nachfolger zu holen. Ferguson sollte das in seiner Biographie wenige Monate später bestätigen („Ich habe Pep gebeten, mich anzurufen, bevor er von einem anderen Klub ein Angebot annimmt, aber das hat er nicht getan, und er landete dann im Juli 2013 bei Bayern München“).

Was United und Bayern eint: Beides sind Klubs mit viel Tradition. Aktuell hätte Guardiola bei United in Louis van Gaal zudem erneut seinen Ex-Trainer aus Barca-Zeiten als Wegbereiter seiner Philosophie, wie schon zuvor beim FC Bayern.

Bereits in seinem ersten Bayern-Jahr hatte Guardiola einen unterschriftsreifen Vertrag von Manchester United vorliegen. In seiner zweiten Saison in München legte City mit einem konkreten Angebot nach. Beides lehnte der Trainer ab. In dieser Spielzeit rief nun Arsene Wenger bei ihm an, um ihn als seinen Nachfolger zu Arsenal zu locken.

Arsenal wäre wohl der Klub, der wohl am besten zu Guardiola passt. Wenger pflegt bei den Gunners seit Jahrzehnten eine Pass-Kultur, wie sie auf der Insel bei keinem anderen Klub zu finden ist. London ist zudem eine Stadt nach Peps Geschmack. Ursprünglich wollte der Katalane sein Sabbatjahr in der englischen Metropole verbringen, fürchtete am Ende aber die ständigen medialen Unruhen um seine Person. Als Wenger beim direkten Duell in der Champions League vergangene Saison enthüllte, er habe Pep bereits als Spieler zu Arsenal holen wollen, bestätigte wie eng der Draht der beiden seit Jahren ist.

Es war allerdings auch Wenger, der als einziger Trainer-Kollege Kritik an der frühen Verkündung des Peps Abschieds in München äußerte: „Ich mag die Tatsache nicht, dass ein Trainer so früh sagt, was er tun wird. Denn das ist nicht unbedingt gut für ihr eigenes Team und für Spekulationen rund um Trainer, die gerade eine schwierige Phase durchmachen.“ Das klang wiederrum nicht danach, als hätte er Guardiola für Arsenal gewinnen können.

Guardiola mag ein Fußball-Philosoph sein, ein Fußball-Romantiker ist er aber wohl dennoch leider nicht. So kühl wie seine Taktik kalkuliert der Spanier auch seine Karriere. Ein weiteres Argument dafür, dass er am Ende wohl doch bei City landen wird. Schade.