SMS: „Ankunft in Evian ca. 10.05 Uhr. Lucien“

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Die Idee kam meinem Kollegen Heiko Ostendorp (Twitter: @ozzywessi) und mir bereits auf der Rückfahrt aus dem Trainingslager in Ascona. Wohnt nicht Lucien Favre in der Nähe des Genfersees, wo die Nationalmannschaft Ihr EM-Hotel hat? Ja, das tut er. Genauer gesagt in Saint-Barthélemy, einem 2000-Einwohner-Örtchen in der Schweiz, hat der Ex-Bundesliga-Trainer (Gladbach, Hertha) seinen Hauptwohnsitz. Eine willkommene Gelegenheit, ihn zu uns auf ein Treffen einzuladen. Heiko, Spitzname Ossi, ruft ihn direkt an. Beide kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Gladbach. Favre geht sofort ran, erwidert unsere Einladung freudig: „Ich hatte ohnehin vor, ein DFB-Training zu besuchen. Das hatte ich Jogi Löw auch schon gesagt.“

Der schnellen Einigung folgt eine etwas kompliziertere Terminplanung. Die Trainingszeiten macht Löw meist erst ein, zwei Tage vorher. Zudem ist auch Favre zeitlich eng gebunden. Er muss die Planungen – wie Wohnungssuche – für seine neue Aufgabe als Chefcoach des französischen Erstligisten OGC Nizza vorantreiben, wo er am 26. Juni sein erstes Training leiten wird. Tagelang wird hin und her gesimst, bis Ossi am Sonntagvormittag um 9.29 Uhr die Nachricht bekommt: „Salut Heiko. Abfahrt mit dem Schiff 9.25 Uhr von Lausanne. Ankunft in Evian ca. 10.05 Uhr. Lucien.“ Nun ist schnelle Organisation gefragt!

Auf 10 Uhr hatten wir eine Konferenz angesetzt, vor dem 11 Uhr Training. Dazu haben wir an dem Tag einen Interview-Termin mit Mesut Özil, zeitgleich findet die prominent besetzte Pressekonferenz mit Thomas Müller, Mario Götze und Oliver Bierhoff statt. Zum Glück haben wir mit Tobias Altschäffl (Twitter: altobelli13) noch einen dritten Kollegen von SPORT BILD in Evian vor Ort, so dass auch dieses Programm zu schaffen ist.

Kollege Ossi holt Favre von der Fähre ab, während wir ohne ihn konferieren. Um 10.30 Uhr sammeln wir beide mit dem Auto am Hafen ein. Man muss sagen, Lucien Favre ist ein extrem freundlicher und bodenständiger Mensch. Der Trainer weigert sich, vorne im Wagen einzusteigen, setzt sich wie selbstverständlich auf die Rückbank. Auch, dass der Ordner ihm am DFB-Zentrum zunächst den Zutritt verweigert, findet er ganz normal. Favres Akkreditierung wurde noch nicht hinterlegt. Er spricht auf Französisch verständnisvoll mit dem Ordner, der sich währenddessen mit seinen Kollegen per Funk über den Besucher berät. Der zukünftige Trainer eines französischen Europa-League-Teilnehmers scherzt: „Ich bin nicht gefährlich…“ Erst als Favre seinen Ausweis zückt, fällt beim Sicherheitsmann der Groschen: „Oh! Monsieur Favre!“ Nun winkt uns der Mann durch.

Angekommen im Medienzentrum hält DFB-Organisator Stephan Eiermann nicht nur die Akkreditierung bereit, sondern auch die Nachricht eines Freundes: Jogi Löw wünscht den Besucher vor dem Training zu sehen. Die Freude über das Wiedersehen der beiden Trainer-Kollegen ist groß. Löw fällt Favre um den Hals. Während für die Medien nur die ersten 15 Minuten der Vormittagseinheit zu verfolgen sind, ist Favre wie selbstverständlich über die ganze Dauer Löws Gast. Auch mit Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller plauschte Favre, am Ende gibt es dann noch ein fast 30-minütiges Gespräch mit Barcelonas Torwart Marc-André ter Stegen, den Favre in Gladbach zur Nr.1 machte und mit dem er bis heute einen sehr engen Draht hat. Favres Eindruck vom DFB-Team: „Die Mannschaft wirkt topfit und sehr fokussiert, auch Jogi Löw ist sehr optimistisch. Trotz aller Kritik bin ich überzeugt, dass Deutschland wieder weit kommt und man mit ihnen rechnen muss. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich vorbeikommen durfte und drücke der Mannschaft die Daumen.“

Ossi im Interview mit Favre
Ossi im Interview mit Favre
Der DFB organisierte nach dem Training einen Shuttle zurück zur Promenade. Dort trinkt Favre noch einen gemeinsamen Kaffee mit SPORT BILD, nachdem Ossi das Interview für die kommende Ausgabe geführt hat. Wegen einsetzendem Regen fahren wir Favre die wenigen hundert Meter zur Fähre. Dort wartet bereits Uli Köhler (@Sky_Uli), der für „Sky Sport News HD“ kurz vor Abfahrt noch ein paar Fragen hat. Dann heißt es „Au revoir“! „Vielleicht sehen wir uns schon im Achtelfinale wieder“, sagt Favre zum Abschied. „Eines findet ja in Nizza statt.“ Am 27. Juni steigt das Duell des Zweiten der Gruppe B gegen den Zweiten der Gruppe F. Das könnte beispielsweise ein EM-Kracher mit England gegen Portugal sein. So oder so: Favre werden wir bestimmt bald wieder sehen.
Auch für uns geht es noch am gleichen Nachmittag weiter. Mit dem TGV nach Paris! Vorberichterstattung fürs Gruppenspiel Deutschlang gegen Nordirland…

Sky_Uli im Interview mit Favre
Sky_Uli im Interview mit Favre