So ist es mit Jogi in Südtirol

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Jogi Löw schnappt sich erst einmal einen Espresso. Während wir Journalisten unsere Plätze im Medienzelt suchen, beobachtet er entspannt das Treiben. Der Bundestrainer hat im Trainingslager in Südtirol die Ruhe weg. Kein Wunder, für ihn ist es ein Heimspiel. Mit der Nationalmannschaft war er bereits vor der WM 2010 in Eppan zu Gast, vor der WM 2014 rund 40 Kilometer weiter im Passeiertal. Und wir Reporter mit ihm. Immer erlebten wir danach spannende Turniere. So tollen, erfrischenden Offensiv-Fußball wie der unserer die U21-Europameister verstärkten Truppe in Südafrika habe ich noch nie davor und selten danach erlebt. Und Brasilien? Mehr als Weltmeister im Maracana zu werden, geht kaum.

Wie aber ist die Stimmung? Vor vier Jahren war sie nach den Meldungen über den Führerschein-Entzug von Löw, den Hotel-Pinkel-Skandal um Kevin Großkreutz (von unserem Magazin im Übrigen enthüllt) sowie dem Unfall mit einem schwerverletzten Fan bei einem Spieler-Fahrtraining mit Formel-1-Piloten sichtlich belastet…

Die Pressekonferenz ist schon beendet, als sich Löw noch einmal übers Mikro beugt und meint, für ein paar zusätzliche Fragen wäre er noch zu haben. Die Kollegen nehmen die Vorlage dankbar auf. Die Atmosphäre in Südtirol ist für Mannschaft wie Journalisten so relaxed, das Raum und Zeit für Späße dieser Art bleibt. Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Auf dem Weg vom Trainingsplatz zurück, lief ich bereits Mesut Özil und Sami Khedira in die Arme, die gerade den vor dem Tor wartenden Fans Autogramme geschrieben haben. Beide flaxen, beschimpfen sich freundschaftlich. Sie sind sichtlich gut drauf, bevor sie in den Mannschaftsbus einsteigen. Leon Goretzka nimmt dagegen für den Heimweg das Fahrrad, quasi kleine Zusatzeinheit.

Ich spaziere am späten Nachmittag ebenfalls mal Richtung Mannschaftshotel „Weinegg“, dessen Weg dahin tatsächlich mit Weinreben gesäumt ist. Auch hier stehen Security vor einem verschlossenen Tor. Doch auch dieses öffnet sich vor der Nachmittagseinheit und die komplette Mannschaft kommt auf Fahrrädern heraus. Obwohl: Noch fehlen einige Leistungsträger und Stars. Weltmeister wie Jerome Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels reisen heute erst an, so wie Joshua Kimmich und Niklas Süle, immerhin Confed-Cup-Sieger. Antonio Rüdiger kommt als FA-Cup-Titelinhaber. Und Toni Kroos spielt noch am Samstag um die Champions-League-Krone. Es gibt viele Profis im Team, die viel Lametta aus der zurückliegenden Saison und Turnieren mitbringen. Sie allen haben demensprechend Ansprüche.

Es wird spannend zu beobachten, wie Jogi Löw diese arrangieren wird. Das wahre Trainingslager geht jetzt erst los. Noch 15 Tage Südtirol!