So müllert’s bei Interviews

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Mein achtjähriger Sohn steht am Rewe-Rezeptterminal und tippt, während ich gegenüber an der Fleisch-Theke bestelle. Nur das Ausdrucken will ihm nicht gelingen, der Computer findet einfach seinen Wunsch nicht. Am Display der Suchanfrage lese ich: Thomas Müller. Auf meine Frage, ob er den Sinn des Terminals für Rezeptwünsche denn nicht verstanden habe, antwortet mein Sohn: „Thomas Müller schmeckt wahrscheinlich zwar nicht, ich würde ihn aber trotzdem am liebsten essen.“

Der echte Thomas Müller lacht, als ich ihm die Anekdote vergangene Woche beim Interview-Termin im DFB-Quartier erzähle. „Braver Sohn“, lobt er. „Und dann auch noch bei meinem Sponsor.“ Interview-Termine mit Müller sind meist so unberechenbar wie seine Spielweise. Und immer lustig. Wenn mich jemand fragt, ob Müller auch abseits der Kameras so authentisch ist, erzähle ich meinen Lieblings-Interview-Termin mit ihm.

Es ist ein Sonntag im März diesen Jahres, der FC Bayern hat am Vortag 4:0 in Bremen gewonnen. Müller erzielte ein Traumtor aus 16 Metern per Schlenzer, zwei weitere Treffer bereitete er vor. Wir sind in einem Supermarkt seines Sponsors in München verabredet, der heute extra wegen dem Bayern-Profi aufhat. Müller wird für einen Werbespot gefilmt. In einer der längeren Pausen ist unser Gespräch geplant. Ich will eine Stunde früher vor Ort sein, denn Sonntag ist Schlusstag für die Ausgaben von „Sport Bild“, Müller ist als Schlagzeile eingeplant.

Ich bin schon unterwegs, als es klingelt. Müllers Management lässt ausrichten, Thomas sei bereit und warte. Ich solle mich bitte beeilen. Kurz vor meiner Ankunft noch ein Anruf: Thomas wolle anfangen! Ich eile durch den Supermarkt, zücke den Block mit den Fragen, lege gehetzt mein aufnahmebereites IPhone auf den Tisch und melde: Es kann losgehen! Ganz entspannt schiebt Thomas Müller Block und IPhone zur Seite, zieht dafür Spielkarten heraus und sagt mir mit breitem Grinsen: „Ja, es kann endlich losgehen – mit Schafkopfen. Wir brauchten noch einen vierten Mann. Das Interview ist ja erst in einer Stunde…“

Müller spielt Schafkopf übrigens wie Fußball: unberechenbar, gerne mit einer Portion Risiko.

 

Müller präsentiert nach dem Triumph im Maracana seine Weltmeister-Medaille
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Gemeinsames Arbeiten an Müllers Weltmeister-Kolumne für SPORT BILD
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