Super-Super-Kühl zum Triple

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Zum Classico-Wochenende war ich privat in Barcelona. Ich spazierte gerade entspannt durch die Gassen, während sich 1100 Kilometer entfernt der FC Bayern zu einem 1:0 über Frankfurt quälte, als mein 8-jähriger Sohn rief: „Papa schau! Da ist Pep!“ Da war er tatsächlich: Bus-groß als Werbung für eine Outdoor-Firma plakatiert auf die Seitenfläche eines Doppeldeckers. Es war nicht so, dass ich in diesen Tagen das erste Mal an den Bayern-Trainer gedacht hätte. Vielleicht kommt man dem stolzen Katalanen nirgends so nah wie in seiner Heimatstadt. Er scheint noch immer gegenwärtig. Barcelona atmet Pep. 

In den nun fast drei Jahren, die Pep Guardiola Münchner ist, wirkt er dagegen auf mich immer fremder. Kürzlich besuchte mich sein Biograph Guillem Ballague in meiner Redaktion für einen Beitrag, den er über Guardiola für „Sky Sports“ in England filmt. Auch die Fans der Premiere League wollen wissen, wie Pep tickt. Am Ende des Interviews bat Guillem mich, wie alle Teilnehmer seines Beitrags, Guardiola mit nur einem Wort in die Kamera zu beschreiben. Ich wählte: Calculated – berechnend…

Guardiola stellte vor dem Spiel gegen Benfica Lissabon klar, was Sportvorstand Matthias Sammer lange vehement dementiert hatte. Jeder im Klub will das Triple gewinnen, auch er, der Trainer. Beim 1:0 über die Portugiesen zeigte sich einmal mehr, für welchen Weg zum Triumph sich Pep entschieden hat. Sein einstiger Chef im Mittelfeld Xabi Alonso? Sitzt in den entscheidenden Spielen wie inzwischeb meist auf der Bank. Statt dessen ackert auf seiner Position mit Arturo Vidal der Sommer-Einkauf, der nicht auf Peps Wunschliste gestanden hatte. Vidals Zusammenspiel mit Pep-Liebling Thiago im Mittelfeld will zwar nicht recht funktionieren, dafür machte Vidal das Siegtor. Ganz rustikal per Kopf, nach Flanke des zwischenzeitlich schon abgeschriebenen Juan Bernat. Pep scheint nicht mehr zu versuchen, die Mannschaft weiterzuentwickeln, er will mit ihr einfach nur noch siegen.

Der Trainer ordnet dem Erfolg in seiner Münchner Endphase kühl und kalkuliert alles unter. Ohne Rücksicht auf einzelne Spieler, aber auch auf Kosten seiner so innig geliebten Philosophie. Klub wie Trainer müssen nun für das gemeinsame Ziel verzichten. Beim historischen Triumph 2013 unter Jupp Heynckes lagen sich am Ende alle gefühlsselig in den Armen. Sollte sich der FC Bayern tatsächlich im Mai mit dem Triple belohnen, wird es von Pep kalt serviert.