Uli Hoeneß überlebt Flugzeugabsturz

Mein Urlaub neigt sich dem Ende zu. Am kommenden Montag werde ich mit der Bayern-Maschine LH 2570 nach Turin abheben. Bis dahin springt mit Fußball-Anekdoten mein Freund Erich (Spitzname „Para“) Scheck ein, der mit Volker Bergmeister ein Buch geschrieben hat. In „Was für ein Tag“ (Verlag BoD/Books on Demand, ISBN: 978-3-73577-951-9) erzählen die beiden Autoren 366 Kalendergeschichten – inklusive Schaltjahr-Story – rundum das runde Leder. Ich habe ein paar Geschichten zum FC Bayern herausgesucht.

Heute: Uli Hoeneß überlebt Flugzeugabsturz vor exakt  34 Jahren.

17. Februar 1982 
Am Abend des 17. Februar 1982 brach der Förster Karl-Heinz Deppe während des Freundschaftsspiels zwischen Deutschland und Portugal zu einer Kontrollfahrt in sein kleines Revier im Heitlinger Moor etwa 15 Kilometer nordwestlich des Flughafens Hannover-Langenhagen auf. Im Wald sah er von weitem etwas durchs Gestrüpp kriechen. Womöglich ein altes Wildschwein oder ein tollwütiger Fuchs, dachte sich Deppe. Als er näher kam, stellte er zu seinem Entsetzen fest, dass es ein Mensch war: blutüberströmt, mit zerfetzten Kleidern und offensichtlich unter Schock.

„Er sah fürchterlich aus, redete völlig unzusammenhängende Worte”, erinnert sich der Förster. Deppe erkannte ihn sofort: Es war Uli Hoeneß, Manager von Bayern München. Der Förster zerrte den Verletzten in seinen Wagen, um sich auf dem Weg ins Krankenhaus zu machen, blieb jedoch im Morast stecken. So lief er zu Fuß zur nächsten Telefonzelle. In der Notrufzentrale war man bereits vorbereitet.

Eine aus München kommende Propellermaschine, gesteuert vom früheren Skirennläufer Wolfgang Junginger, hatte beim Anflug auf Hannover gegen Viertel vor acht Schwierigkeiten gemeldet. Der Lotse hatte dem Piloten die Anweisung gegeben, nach Norden zu kurven und zu steigen. Danach war der Kontakt abgebrochen, das Flugzeug war vom Radarschirm verschwunden. Gegen zehn Uhr Abends wurde aus der Befürchtung schreckliche Gewissheit: Die Piper-Seneca war abgestürzt. Die Trümmer lagen in einem Umkreis von etwa hundert Metern verteilt. Ein Propeller hing noch an einem Weidezaun, ein paar Schritte dahinter hatte sich das Cockpit etwa zur Hälfte in den feuchten Grund gebohrt. Drei Leichen klemmten in den Sitzen: Junginger, sein Co-Pilot und der Chef eines Münchner Verlages.

Bis ein Uhr morgens musste auch bei Uli Hoeneß mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge waren unmittelbar nach Abpfiff des Länderspiels im Niedersachsenstadion informiert worden und noch im Trainingsanzug ins Krankenhaus Hannover-Nordstadt geeilt. Breitner hockte in sich versunken im Wartezimmer. Rummenigge weinte. Aber der Freund überlebte, weil er das Glück hatte – oder war es eine Eingebung? – sich in den hinteren Teil des Flugzeugs zurückzuziehen und kurz darauf einzuschlafen. Wie durch ein Wunder erlitt er nur leichte Frakturen an Oberarm und Knöchel sowie eine Gehirnerschütterung. Als Uli Hoeneß am nächsten Tag erwachte, fragte er: „Wie ist das Länderspiel ausgegangen?” – 3:1.