Wiedersehen mit Mario Gomez

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Schon als Mario Gomez durch die Tür den Interview-Raum betritt, ist zu spüren, wie entspannt der Stürmer in diesen Tagen beim VfB Stuttgart geworden ist. „Willkommen zurück!“, begrüße ich Mario, worauf er kontert: „Ihr zwei seid ja auch schon ewig bei SPORT BILD, ein Pärchen wie ,Hans und Hans’!“ Hans und Hans? Heidi Klum nennt ihre Brüste „Hans und Franz“, so weit ich weiß, sie können es ja hoffentlich schon mal nicht sein. Das muss ich erstmal googeln. Ich finde ein hessisches Möbelhaus mit dem Slogan: „Zeitlose Design-Möbel aus vergangenen Jahrzehnten.“ Ich bin mir nicht sicher, verbuche das aber mal als Kompliment.

Im Mittelpunkt. Mario Gomez. Rechts mein Kollege Tobias Altschäffl
Im Mittelpunkt. Mario Gomez. Rechts mein Kollege Tobias Altschäffl

Kennenlernen durfte ich Mario ebenfalls in Stuttgart, als er mit den jungen Wilden den VfB in der Saison 2006/2007 zur Meisterschaft schoss. Im Sommer darauf fuhren wir gemeinsam zur EM in Österreich und Schweiz. Am intensivsten wurde der Kontakt, als er dann zu mir nach München wechselte, als Stürmer des FC Bayern. Weil er mit Bastian Schweinsteiger und Holger Badstuber nach dem Training meist in den Cafés und Restaurants an unserem Büro-nahen Gärtnerplatz abhing, tauften wir das Trio in einem Artikel „Die Gärtnerplatz-Gang“. Der „Süddeutschen Zeitung“ gefiel der Ausdruck so gut, dass sie ihn von uns übernahmen. Als wir Mario auf den Namen ansprechen, muss er selbst darüber lachen. Das Bild traf das Bayern-Grüppchen wohl ganz gut. Badstuber spielt nun wieder mit Gomez beim VfB zusammen. Schweinsteiger lässt seine Karriere in den USA ausklingen. Die Zeit dieser Fußballer-Generation, deren Karriere ich von Anfang an begleiten durfte, neigt sich unweigerlich dem Ende zu und stimmt mich auch ein wenig sentimental.

 

Wer weiß, wie oft wir mit Mario als aktiven Profi noch zusammensitzen werden? Wir sind im Sommer als Berichterstatter für die WM in Russland bereits akkreditiert, aber wird auch Gomez dabei sein? Mario selbst scheint daran nicht den Hauch eines Zweifels zu haben. Ob er Kontakt zu Löw habe, fragen wir ihn. Mario hört diese Frage seit gut einem Jahrzehnt, oftmals war es für ihn aufgrund des Dauer-Konkurrenzkampf mit Miro Klose vor Turnieren knapp, Verletzungen machten es ihm nicht leichter. Wir haken noch mal nach: Zuletzt habe er der „Welt am Sonntag“ gesagt, dass dies zwischen dem Bundestrainer und ihm aktuell nicht der Fall sei. Gomez lächelt und lässt uns dazu wissen, dass „aktuell“ in seinem Wortschatz „Nicht in den letzten 24 Stunden“ bedeute.

Zum Interview: So denkt Mario Gomez über den WM-Konkurrenzkampf mit Sandro Wagner wirklich

Wir reden nun über die Wege und Umwege, die einem eine Karriere als Fußballer beschert. Als er von Florenz nach Istanbul wechselte, schrieb ich seine Karriere in der Nationalmannschaft ehrlich gesagt schon geistig ein wenig ab. Wie bei Lukas Podolski ist die Türkei für die meisten Profis der Anfang der Abschiedstour von der aktiven Karriere. Anders bei Gomez. Ich wusste immer, dass Mario abergläubisch ist, doch bei dem Gespräch stellt sich heraus, dass der Stürmer auch fest an Schicksal glaubt. Alles, was er im Guten wie Schlechten erlebt habe, führt Mario zu seiner Welt-Anschauung aus, habe es gebraucht, um den Weg zu gehen, der für ihn bestimmt war. Nach Marios Philosophie wird ihn dieser Weg auch zur WM führen. Ich würde mich über die nächste Gesprächsrunde in Russland freuen. Denn vielleicht bestimmt das Schicksal ja dann auch die Verteidigung des WM-Titels.

 

Das Interview mit Mario Gomez über Ronaldo, Sandro Wagner und den VfB Stuttgart lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von SPORT BILD.