Im Namen der Hasen – so tierisch lebt Thomas Müller
Persönlicher Fußball-Blog von Christian Falk - Fußball-Chef der BILD-Gruppe. Insider-Berichterstattung über den FC Bayern München und der DFB Nationalmannschaft.
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Im Namen der Hasen – so tierisch lebt Thomas Müller

Im Namen der Hasen – so tierisch lebt Thomas Müller

„Wieso wir Hasen haben?“ Thomas Müller überlegt, die Frage irritiert ihn zunächst, dann bricht er in ein schallendes Lachen aus. Über 50 Minuten dauert bereits unser Interview für SPORT BILD. Mein Kollege Jörg Althoff und ich haben den Ur-Bayern über alle nur erdenklichen Themen gelöchert: Rekorde, Legenden, Geisterspiele, Champions-League-Träume, Millionen-Gehälter sowie Kapitän Manuel Neuer. Am Ende des Gesprächs sage ich Thomas, dass ich noch eine Frage habe. Die wichtigste. Die Frage, die mir von meiner Nachbarin, Schwiegermutter bis zu meiner Tochter mitgegeben wurde. Ich müsse sie Thomas Müller unbedingt stellen! Genauso sage ich es Müller, der die Frage umso gespannter erwartet. Dass sich die Frage um seine Hasen dreht, hatte er offenbar nicht erwartet. Dabei hat er das Thema selbst gesetzt. Auf Instagram postet er, wie er den Hasenstall ausmistet oder entspannt zwischen den Tieren sitzt. Okay, jeder weiß und versteht, wieso Thomas Müller Pferde besitzt (seine Frau Lisa ist professionelle Reiterin). Aber Hasen?

„Wieso wir Hasen haben?“, fragt mich Thomas noch einmal etwas ungläubig. Ich erwidere nun: „Na, ich habe auf jeden Fall keine Hasen…“ Müller denkt kurz darüber nach, meint dann verständnisvoll: „Stimmt, das ist ein Argument. Also, wieso haben wir Hasen…“

Müller hat zwar einen Gärtner. Doch das Ausmisten des Hasenstalls ist Chefsache

Zunächst klärt uns Müller über seinen Bestand auf. Es seien insgesamt sieben Tiere, fünf Kaninchen und zwei deutsche Riesen. Thomas merkt sofort an unseren irritierten Blicken, dass uns Sportreporten in Sachen deutschen Riesen höchstens Dirk Nowitzki einfällt. „Die deutschen Riesen waren früher reine Schlachthasen“, klärt uns Thomas auf und schiebt gleich lachend hinterher: „Aber keine Sorge: Unsere Hasen sind nicht in Gefahr!“ Seine Riesen werden also nicht gegessen und tragen auch nicht den Namen Nowitzki sondern Rambo und Hexe. „Die Kaninchen heißen Blume, Charly, Polly, Zucker und Zimt“, zählt der Bayern-Profi auf. Sofort wird klar: sein klarerer Liebling ist Zimt. „Er ist der coolste, ein kleiner Brauner“, bestätigt Thomas. Bei den Namen hat übrigens seine Frau Lisa das letzte Wort.

Wir hoppeln uns immer mehr an die entscheidende Frage heran. Müller scheint nun langsam die Thematik ernst zu nehmen, man sieht förmlich, wie er vielleicht selbst zum ersten Mal über Sinn und Unsinn von Hasen tiefer nachdenkt. Lisa und er hatten bereits einmal einen Hasen, als sie sich kennenlernten. Aber wieso hat ein Weltmeister und achtfacher Deutscher Meister im Alter von 30 Jahren nun ganze sieben Stück? Wir spitzen die Ohren, als Müller seinen Gedankengang offenbar vollendet hat. „Als Fußballer stehst du ja doch oft im Fokus, wirst öffentlich bewertet, mal gehyped und dann wieder kritisiert“, eröffnet er seine Erklärung. Müller weiter: „Da tut es schon mal gut, wenn man sich in das Gehege setzt, ein wenig entspannt und sich von den Hasen beschnuppern lässt. Da bleibt die Zeit dann förmlich stehen. Da stören dann auch die Hasenköttel um einen herum nicht.“

Hasen als Zen-Philosophie, der Kaninchenstall als Meditationsort. Das macht tatsächlich Sinn.

Thomas Müller als Hebamme für „Gameday“

Okay, und wenn wir schon mal auf dem Tier-Trip sind, dann richtig. Anschlussfrage! Was sorgt bei Thomas Müller für mehr Adrenalin: Toreschießen oder Fohlen zur Welt bringen? Diese Antwort fällt ihm sichtlich leichter. Ganz klar das Toreschießen!“, schießt es aus Müller heraus. Auf Instagram hatte er ebenfalls gepostet, wie er als Pferdehebamme aushalf. Mit Erfolg. Müller: „Bei einer Fohlengeburt weißt man vorher, dass gesunde Stuten auch alleine klarkommen. Da geht es eigentlich darum im Notfall zur Stelle zu sein.“ Den jungen Hengst nannte er „Gameday“. Spieltage wird es nun auch bald wieder in der Bundesliga geben, die am 9. Mai nach Corona-Pause wieder angepfiffen wird. „Ein Tor ist meistens ein spontanes Ereignis ohne festen Geburtstermin“, schließt Müller seine Ausführung. „Und wenn Dir das dann vor einem vollen Stadion gelingt, ist das Gefühl unbeschreiblich. Mal sehen, wie es sich bei Geisterspielen anfühlt…

Wer hätte gedacht, dass wir uns alle einmal auf Geisterspiele freuen würden. Und wer weiß: Vielleicht hoppelt Müller ja mal als Torjubel. Seine Zen-Hasen hätten es sich verdient.