Ribérys Erben: Löw muss Coman-Schützling Musiala anrufen
Persönlicher Fußball-Blog von Christian Falk - Fußball-Chef der BILD-Gruppe. Insider-Berichterstattung über den FC Bayern München und der DFB Nationalmannschaft.
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Ribérys Erben: Löw muss Coman-Schützling Musiala anrufen

Ribérys Erben: Löw muss Coman-Schützling Musiala anrufen

Es ist finster auf dem Bildschirm, Verkehrslichter sind zu sehen. „Salut Amigos!“, erklingt es in der FaceTime-Schalte. Franck Ribéry (37) beugt sich näher an das Display des IPhones und nun erkennen wir ihn. Die Bayern-Legende ist auf dem Weg zum Flughafen, der Regen klatscht an sein Beifahrer-Fenster. Franck sitzt nicht am Steuer, weshalb er Zeit für das vereinbarte Interview (aktuelle Ausgabe in SPORT BILD) mit meinem Kollegen Tobi und mir hat.
„Mein Herz gehört Bayern“
Vor eineinhalb Jahre hat sich Franck Ribéry nach Italien zum AC Florenz verabschiedet, um dem Umbruch beim FC Bayern nicht im Wege zu stehen. Die Verbundenheit mit dem Klub wird immer bleiben. Leidenschaftlich berichtet Ribéry davon, wie er den Champions-League-Sieg der neuen Generation mit Freunden vor dem Fernseher verfolgt hat. Kein Neid, pure Freude. Obwohl er Franzose ist, hielt er nicht zu Paris Saint-Germain. „Mein Herz gehört Bayern“, sagt Franck und das glaubt man ihm. Über seine Erben auf den Flügeln Serge Gnabry, Kingley Coman und Leroy Sané spricht er mit viele Sensibilität. Er möchte ihnen keinen Rucksack an Erwartungen aufbürden. Auffällig bei seinen Ausführungen: Mit Coman scheint Ribéry einen klaren Favoriten zu haben. Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit.
Auto-Kino mal anders: Franck Ribéry gibt uns sein Interview auf dem Beifahrersitz
Keine FaceTime-, dafür eine Zoom-Schalte: Eine Woche zuvor empfängt uns Kingsley Coman in seinem Wohnzimmer. Hinter dem Bayern-Profi zeichnet sich deutlich die Silhouette des Olympiaturms ab. „King, schaust du etwas auf das Olympiastadion?“, frage ich ihn. Der Franzose lacht und greift sich sein Handy. „Ich zeige sie Euch“, sagt er und präsentiert uns seine Aussicht. Seine Wohnung befindet sich hoch über den Münchner Dächern und tatsächlich blickt er direkt in die Schüssel des altehrwürdigen Olympiastadions, in der Bayern bis zum Sommer 2005 seine Heimspiele austrug. Ich erinnere mich noch gut an die verbleichten grünen Sitzschalen auf den Presseplätzen.

Coman blickt aus seiner Wohnung auf das Olympiastadion

Coman war selbst einst von Ribéry unter die Fittiche genommen worden, wofür er Franck noch heute dankbar ist. Nun ist er es, der das nächste Talent von seiner Erfahrung profitieren lässt. „Jamal erinnert mich an mich selbst, als ich ein Profi wurde“, sagt uns Kingsley über Talent Musiala. „Ich gebe ihm ab und zu Tipps, aber der beste Tipp ist: spielen!“ Auf die Chance hatte Coman einst lange warten müssen, bis Robbery den Weg für ihn frei machte. Das Legenden-Duo erzielte 2013 in Kooperation den Siegtreffer im Champions-League-Finale über Dortmund (Tor Robben, Vorlage Ribéry), 2020 köpfte Coman den FC Bayern zum Triumph über Paris Saint-Germain. Mit Musiala steht nun die nächste Generation für den Bayern-Flügel in den Startlöchern. Die Bayern-Bosse sind gerade mit seinem Management in Verhandlungen, um sich seine Dienste vertraglich bis 2025 zu sichern. Anders als bei Ribéry und Coman könnte davon nun endlich auch mal die deutsche Nationalmannschaft profitieren. Im März stehen die nächsten Länderspiele an. Die Einladungen dazu sind noch nicht raus. Englands Teamchef Gareth Southgate oder Bundestrainer Jogi Löw – der Nationaltrainer, der Musiala als nächster einlädt, bekommt ein Flügel-Juwel für die Zukunft. Jamal, der für die englischen U-Mannschaften auflief und in Deutschland geboren ist, hat sich noch für keine Nation entschieden. Beim FC Bayern würde man es begrüßen, wenn Löw den Telefonhörer in die Hand nimmt oder gar einen Besuch in München plant. Ansonsten steht zu befürchten, dass der nächste Ribéry oder Coman erneut nicht im DFB-Dress aufläuft.
Bayern-Anekdoten über Oliver Kahn und Thomas Müller findet Ihr auch in meinem Buch
Noch mehr Einblicke in den FC Bayern gibt mein Buch „Inside FC Bayern“ (Riva-Verlag)